Auf der Ringbahn kann es weiter zu Verzögerungen und Ausfällen kommen.
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BerlinS-Bahn-Fahrgäste müssen noch bis Freitag auf dem Ring mit Einschränkungen rechnen. So lange bleibt der Streckenabschnitt zwischen Ostkreuz und Neukölln aller Voraussicht nach gesperrt, erfuhr die Berliner Zeitung am Dienstag von der S-Bahn Berlin GmbH. Selbst dieser Termin sei derzeit nicht hundertprozentig sicher, sagte ein S-Bahn-Mitarbeiter: „Die Arbeiten sind sehr kompliziert.“

Ein Anschlag von Linksextremisten, der auf dem Ringbahnteilstück zwischen Frankfurter Allee und Ostkreuz begangen wurde, hat den stark frequentierten Ring im Osten am frühen Montagmorgen lahmgelegt. Nicht nur Kabel der Stromversorgung wurden durch Feuer zerstört, sondern auch Leitungen der Signal- und Sicherungstechnik stark in Mitleidenschaft gezogen. „Es handelt sich um Spezialkabel, die erst einmal beschafft werden mussten“, so ein S-Bahner. Inzwischen seien Techniker von DB Netz dabei, die neuen Leitungen zu verlegen und anzuschließen – eine langwierige Feinarbeit, bei der viele Strippen an den richtigen Ort gelangen müssen. Wenn diese Arbeit getan ist, müssen die Kabel geprüft und abgenommen werden, was ebenfalls Zeit kostet.

Täglich rund 250.000 Fahrgäste betroffen

Inzwischen seien die Techniker aber so weit, dass der derzeit noch gesperrte Ringbahnabschnitt zwischen Frankfurter Allee und Ostkreuz von Donnerstagfrüh an wieder befahrbar ist, hieß es bei DB Netz. Damit kann zumindest ein Teil des betroffenen Teilstücks wieder in Betrieb gehen.

Der Ring gehört zu den am stärksten genutzten Strecken im 332 Kilometer langen Netz der Berliner S-Bahn. In dem Bundesunternehmen hieß es, dass von dem Anschlag täglich 150.000 S-Bahn-Fahrgäste direkt betroffen sind. Sie müssen den Busnotverkehr nutzen, der zwischen Frankfurter Allee und Neukölln eingerichtet wurde, oder den gesperrten Abschnitt anderweitig umfahren. Weitere 100.000 Fahrgäste pro Tag müssen auf den angrenzenden Teilstücken Einschränkungen hinnehmen. Weil Pendelzüge nur alle 20 oder zehn Minuten verkehren, verlängern sich für sie ebenfalls die Reisezeiten.

Aktuell ist der S-Bahn-Verkehr zwischen den Bahnhöfen Neukölln – Treptower Park – Ostkreuz – Frankfurter Allee unterbrochen. Ein Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Neukölln und Frankfurter Allee ist eingerichtet. Zwischen Baumschulenweg und Ostkreuz besteht Pendelverkehr im 20-Minuten-Takt. Die Züge der Ringlinien S41 und S42 verkehren derzeit nur zwischen Bundesplatz und Gesundbrunnen. Zwischen Gesundbrunnen und Frankfurter Allee fahren alle zehn Minuten Pendelzüge.

Dicht gedrängt versuchen sich Fahrgäste in einem der weißen Schienenersatzbusse nahe des S-Bahnhofes Frankfurter Allee einen Platz zu sichern. 
Foto: Eric Richard

Nach dem Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn ist es am Dienstag am Bahnhof Frankfurter Allee zu Problemen im Schienenersatzverkehr gekommen. Nach Informationen der Berliner Zeitung reichten die Kapazitäten der Busse nicht aus, um die zahlreichen Pendler zu transportieren. An der Gürtelstraße Ecke Frankfurter Allee, von wo aus ein Teil der für den Schienenersatzverkehr eingesetzten Busse abfährt, kam es zu größeren Menschenansammlungen an der Haltestelle. Weit über 100 Fahrgäste warteten enerviert auf die nächsten Busse, da immer nur ein Teil von ihnen Platz in den vollen Ersatzbussen fand. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Mindestabstände nicht eingehalten wurden. Viele der wartenden Fahrgäste gaben schließlich auf und fuhren mit Taxis oder anderen Verkehrsmitteln weiter.

Zu dem Brandanschlag am S-Bahnhof Frankfurter Allee, der den Verkehr auf der Ringbahn am Montagmorgen zum Erliegen gebracht hatte, war im Internet ein Bekennerschreiben einer linksextremistischen Gruppe aufgetaucht. Bauarbeiter sind derzeit damit beschäftigt, an der defekten Stelle neue Stromleitungen zu verlegen.