Berlin - Die Zeit rennt: Im Zuge des Klimawandels hat der Bund für Umwelt und Naturschutz zum Erhalt von vor allem alten Bäumen plädiert. Jedes Jahr verliere Berlin rund 1100 Bäume, wie der Baumschutzreferent Christian Hönig am Dienstag bei der Präsentation des aktuellen BUND-Baumreports sagte. „Wir haben keine Zeit. Die Stadt heizt sich immer mehr auf und die Klimakrise kommt in großen Schritten auf uns zu.“

Junge Bäume, die jetzt gepflanzt werden, würden erst in 30 oder 40 Jahren in ihre Aufgabe zur Verbesserung des Stadtklimas hineinwachsen, so Hönig. Es sei daher vor allem wichtig, den Altbestand zu pflegen. „Wir brauchen große, alte Bäume in der Stadt“, betonte er.

Vor allem die Klimaschutzfunktion der Stadtbäume hat laut dem Report in den vergangenen Jahren stark zugenommen. So könne es bei starker Hitze im Schatten eines Baumes bis zu zehn Grad kühler sein. Der von Straßenbäumen gespendete Schatten verhindere, dass sich Häuser und Straßen stark aufheizten und begünstige die Abkühlung in der Nacht.

Die Abholzung der Bäume steigt an 

Berlin verliert jedoch weiterhin Straßenbäume. Von 2012 bis 2019 hat sich der Bestand von rund 440.000 auf rund 431.100 Bäume verringert, wie aus dem Report hervorgeht. Das sei ein Verlust von durchschnittlich 1108 Bäumen pro Jahr. In den Jahren 2017, 2018 und 2019 wurden demnach überdurchschnittlich viele Bäume gefällt.

2017 schädigte Sturmtief Xavier sehr viele Bäume in der Stadt. „In der Folge wurden 68 Prozent mehr Bäume gefällt“, so Hönig. Aber auch die anhaltende Trockenheit seit 2018 habe verheerende Auswirkungen. In jedem der Trockenjahre sei etwa ein Drittel mehr Straßenbäume gefällt worden als in den Vorjahren.

„Nicht jeder gefällte Baum wird ausgeglichen. Jeder neu gepflanzte Baum muss im Schnitt 2,4 gefällte Bäume auffangen“, kritisierte der Umweltschützer. Erschwerend komme hinzu, dass Jungbäume oft Schwierigkeiten beim Anwachsen hätten.

Mehr Geld für Baumpflege 

„Um den Bäumen einen guten Start ins Jahr zu geben, muss ein Frühjahrsdienst eingerichtet werden, bei dem die Bäume zum Laubaustrieb gewässert und gedüngt werden“, so Hönig. Außerdem müsse das Umfeld der Bäume am schwierigen Standort Straße verbessert und den Wurzeln durch Entsiegelung mehr Raum gegeben werden. Hönig forderte zudem, dass das Land Berlin dauerhaft mehr Geld in die Baumpflege investiert.

Die Umweltverwaltung hat das Geld für die Baumpflege in Berlin deutlich erhöht. In diesem Jahr stehen den Bezirken 14,8 Millionen Euro mehr und so insgesamt rund 37,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Damit wird erreicht, dass pro Baum und Jahr – statt bislang durchschnittlich rund 50 Euro – jetzt etwa 82 Euro eingesetzt werden können“, teilte die Verwaltung Ende Januar mit.

Die Ungarische Eiche als Favorit 

Die häufigsten Berliner Straßenbaumarten sind Linde (36 Prozent) und Ahorn mit 20 Prozent. Eichen sind mit neun Prozent die dritthäufigste Gattung. Wissenschaftler untersuchen seit Jahren, welche Arten besonders stressresistent sind. Forscher der Humboldt-Universität haben zum Beispiel an der Neuen Späthstraße in Berlin-Neukölln Arten aus verschiedenen Ländern gepflanzt.

Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, sagt Matthias Zander. Doch bereits jetzt zeige sich, dass die Ungarische Eiche (Quercus frainetto) zu den Favoriten zähle.