Berlin - Der Berliner Senat hat sich am Donnerstag bei einer Video-Schalte darauf verständigt, nach den Osterferien wieder mit dem Präsenzunterricht an den Schulen zu starten. Ab Montag werden die Grundschulen und Abschlussklassen im Wechselunterricht beginnen. Die Klassen 7 bis 9 sind zunächst weiterhin vom Präsenzunterricht ausgeschlossen – sollen aber schon in der Woche vom 19. April in die Schulen zurückkehren.

Der Zeitpunkt ist mit Bedacht gewählt: Denn die Abiturienten haben ihren letzten Schultag am 16. April. Sie sind also schon wieder weg, wenn die Mittelstufenschüler ihre Schulen – nach einer Abwesenheit von über vier Monaten – zum ersten Mal wieder betreten. Bis zur sechsten Klasse wird in den Schulen eine Notbetreuung angeboten, die Präsenzpflicht ist nach wie vor ausgesetzt.

Neue Teststrategie: Verpflichtend, statt freiwillig, in der Schule statt zu Hause

Das Land Berlin ändert seine Teststrategie: Ab Montag, den 19. April soll das Testen zweimal wöchentlich verpflichtend sein und nicht mehr zu Hause, sondern vor Ort in der Schule vorgenommen werden. So will man sicherstellen, dass mehr Schüler die Tests benutzen und das Schulpersonal die Test-Ergebnisse überprüfen kann.

Nach eigenen Angaben hat der Senat genug Tests bestellt, um sämtliche Berliner Schüler zu versorgen. Die Lieferung sollte in den Osterferien erfolgen. Etlichen Schulen ist es aber bisher nicht gelungen, die Lieferungen entgegenzunehmen und an ihre Schüler zu verteilen. Besonders die Schüler der jüngeren Klassen sind noch nicht hinreichend versorgt.

Dazu gehört auch, dass die Firma Nal von minden zwei Lastwagen voll mit Nadal-Tests nach Berlin schafft und sie gegen die Dedicio-Tests austauscht, die in großen Mengen an den hiesigen Schulen lagern. Denn wider Erwarten hat der Nadal-Schnelltest schon die Zulassung als Selbsttest erhalten, der Dedicio-Test aber noch nicht.

Die Entscheidung des Senats ist wie immer hoch umstritten. Weil Infektionszahlen galoppieren und zugleich klar ist, dass viele Kinder und Jugendliche extrem unter den Schulschließungen leiden. In der Pressemitteilung des Senats heißt es: „Das alles gilt (...) vorbehaltlich des Infektionsgeschehens“. Es kann also gut sein, dass in den nächsten Tagen beim Blick auf die neusten Zahlen noch einmal umentschieden wird.

Die Elternschaft ist tief gespalten, der Schülerausschuss begrüßt die Testpflicht

Der Sprecher des Landeselternausschuss Normann Heise sagte, man könne sich nicht klar positionieren, denn die Elternschaft sei tief gespalten. „Die einen sagen: Macht die Schulen auf, die Kinder brauchen das! Die anderen sagen: Lasst die Schulen zu, das ist viel zu gefährlich!“ Und natürlich schauten viele Eltern auf die Zahlen, die Studien und sehen, dass die Infektionsgefahr an den Schulen doch größer sei als im Herbst angenommen – dass Kinder und Jugendliche sich häufiger mit der neuen Mutante ansteckten.

Der frühere Landesschülersprecher Miguel Gongora, findet die Entscheidung des Senats kommt verfrüht. „Wir müssen bald mit einem harten Lockdown rechnen. Ich hätte mir gewünscht, dass vor so einer wichtigen Entscheidung die Ergebnisse der nächsten MPK abgewartet werden.“

Luisa Regel vom Landesschülerausschuss sagt: „Wir begrüßen, dass es jetzt eine Testpflicht gibt an den Schulen und dass die 7. bis 9. Klassen zurückkehren dürfen, solange die Zahlen nicht noch einmal deutlich hochgehen. Es ist wichtig, dass keine Jahrgänge zurückgelassen werden.“ Sie zeigt sich erleichtert, dass Sandra Scheeres an den geplanten Abiturprüfungen festhält und die Abiturjahrgänge komplett zurückdürfen in die Schulen.

Am 21. April schreibt Luisa Regel ihre ersten Prüfung. „Meine Lehrer haben das Beste versucht, aber ich frage mich ständig: Weiß ich genug? Kann ich genug?“

Tom Erdmann, Sprecher der GEW Berlin, äußerte sich enttäuscht, dass keine Rücksicht auf die neuen Infektionszahlen genommen werde. Viele Lehrkräfte an weiterführenden Schulen seien verunsichert, weil ihre Impftermine abgesagt wurden und sie ungeimpft lieber nicht in den Präsenzunterricht zurückkehren möchten.