Berlin - Die Senatsinnenverwaltung hat in der Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe neue Erkenntnisse zur Zahl der als vermisst gemeldeten Kinder und Jugendlichen in Berlin genannt. Demnach werden derzeit „zum Zeitpunkt des Verschwindens drei Heranwachsende, 79 Jugendliche und 37 Kinder“ aufgezählt. Die hier genannten vermissten Jugendlichen sind den Angaben zufolge in 32 Fällen männlich und in 47 Fällen weiblich. Von den vermissten Kindern sind 13 männlichen und 24 weiblichen Geschlechts.

Vierzehn der aktuell noch vermissten Kinder und Jugendlichen wurden den Angaben zufolge im Jahr 2019 gemeldet. Im Jahr 2020 wurden 64 Kinder und Jugendliche erfasst, die zum Stand 6. Januar 2021 als vermisst gelten. 24 der insgesamt 116 als vermisst geltenden Kinder und Jugendlichen wurden 2021 gemeldet. 

Grundlage der veröffentlichten Daten sind nach Angaben der Senatsinnenverwaltung Abfragen im Polizeilichen Landessystem zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung (Poliks) vom 6. Januar 2021. Insgesamt gelten demnach derzeit 300 Personen als vermisst.

Bei den in der Antwort auf die Anfrage mitgeteilten Zahlen handelt sich laut Senatsinnenverwaltung um „Daten, die den tagesaktuellen Stand der erfassten Vorgänge abbilden. Sie unterliegen einem ständigen Wandel, da Vermisste aufgefunden und wieder andere Personen vermisst gemeldet werden“. Zudem sei hierbei zu berücksichtigen, dass nicht alle Vermisstenvorgänge „zwangsläufig abgeschlossen wurden, obwohl die vermisste Person wieder zurückgekehrt ist oder gefunden werden konnte“.

Öffentlichkeitsfahndung ist für die Polizei das letzte Mittel

Das liegt nach Senatsangaben unter anderem daran, dass die Betroffenen und/oder Angehörigen „der Polizei Berlin nicht immer einen entsprechenden Rücklauf geben“. Ein weiterer Grund dafür ist, dass „Vorgänge aus organisatorischen und/oder ermittlungstaktischen Gründen ausnahmsweise noch nicht abgeschlossen wurden“. In letzteren Fällen werden die entsprechenden Personenfahndungen nach offiziellen Angaben aber „grundsätzlich unverzüglich gelöscht“. 

Bei der Suche nach vermissten Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen kommt es Angaben der Senatsinnenverwaltung je nach Fallentscheidung auch zu Öffentlichkeitsfahndungen. Grundsätzlich gilt die Fahndung nach vermissten Personen in der Öffentlichkeit aber „als letztes Mittel der zur Verfügung stehenden Ermittlungsmöglichkeiten“. Da es sich um „einen erheblichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der vermissten Person handelt, sind erst alle anderen Möglichkeiten zur Ermittlung des Aufenthaltes auszuschöpfen“.

Neben weiteren Ermittlungsmaßnahmen wird die Zweckmäßigkeit der Öffentlichkeitsfahndung in jedem Einzelfall geprüft. Ob eine Öffentlichkeitsfahndung im „konkreten Einzelfall zweckdienlich ist, wird insbesondere von der Gefährdungslage und den Erfolgsaussichten einer Öffentlichkeitsfahndung bestimmt, wobei auch die jeweiligen Schutz- und Persönlichkeitsrechte der vermissten Person berücksichtigt werden“. Die Öffentlichkeitsfahndung wird zudem „grundsätzlich nur nach Zustimmung der Angehörigen der vermissten Person eingeleitet“. Einen festgelegten Zeitpunkt für das Einleiten einer Öffentlichkeitsfahndung gibt es nicht.

BVG hilft bei der Suche nach vermissten Kindern und Jugendlichen

Wenn es zu einer Öffentlichkeitsfahndung kommt, wird von der sachbearbeitenden Dienststelle eine Pressemeldung an die Pressestelle der Polizei Berlin geleitet. „Von dort erfolgt das Angebot an die Medien“, so die Senatsinnenverwaltung. Zudem erfolgt „seitens der zentralen Redaktions- und Koordinierungsstelle Onlinemedien (Onlineredaktion) eine Einstellung der Fahndung auf der Internetseite der Polizei Berlin“.

Parallel dazu wird eine identische Meldung über das digitale Angebot „Berliner Fenster“ in den Fahrzeugen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) veröffentlicht. Erfahrungen haben nach Angaben der Behörden gezeigt, dass in „Vermisstenfällen der Mitwirkungswille der Bevölkerung grundsätzlich sehr ausgeprägt“ ist.

Der Abgeordnete Marcel Luthe, der die Anfrage zu den aktuellen Zahlen gestellt hat, sagte der Berliner Zeitung dazu am Freitag: „Jedes vermisste Kind hat eine eigene Geschichte, aber gerade in den letzten Monaten nehmen häusliche Gewalt, Stress und Mobbing gerade bei Kindern offensichtlich weiter zu.“ Der Abgeordnete fordert: „Wir müssen die Schwächsten in unserer Gesellschaft besser schützen, die ihr Leben noch vor sich haben.“