Philadelphia - Wünschen Sie sich auch manchmal, der Tag möge länger sein, mehr Stunden zu haben? Wird Ihre To-Do-Liste trotz aller Bemühungen immer länger? Tja, da wäre es doch schön, jeden Tag ein bisschen mehr Zeit zu haben, etwas zu erledigen – und sei es nur, endlich mal wieder in Ruhe ein Buch zu lesen.

Im ganzen Alltagstrubel kommen viele Dinge zu kurz, nicht zuletzt unsere Freizeitvergnügen. Dabei haben wir im Schnitt rund vier Stunden Freizeit pro Tag – die wir aber alle unterschiedlich füllen. Frauen beispielsweise erledigen mehr Hausarbeit als Männer, kümmern sich mehr um die Pflege von Angehörigen. Berufstätige ohne Kinder haben Befragungen zufolge 4,5 Stunden Freizeit pro Tag, Eltern mit Kleinkindern eine Stunde weniger. Gemeint ist jene Zeit, die nicht mit Erwerbsarbeit und Erledigungen verbracht wird.

Nicht zuletzt wegen eines voll gepackten Tages wünschen sich viele Menschen mehr Freizeit. Doch das allein macht eben nicht glücklich!

Eine aktuelle US-Studie, die auf Befragungen von 35.375 Erwachsenen basiert, resümiert nun, „dass zu wenig Freizeit zwar tatsächlich mit einem geringeren subjektiven Wohlbefinden durch Stress verbunden ist, mehr Zeit jedoch nicht kontinuierlich zu einem höheren subjektiven Wohlbefinden führt.“

Und weiter: „Ein Überfluss an Freizeit ist manchmal sogar mit einem geringeren subjektiven Wohlbefinden verbunden, da das Gefühl für Produktivität fehlt.“ Deshalb empfehlen die Autoren um Studienleiterin Marissa Sharif von der University of Pennsylvania: „Der negative Effekt von zu viel freier Zeit kann abgeschwächt werden, wenn Menschen diese Zeit mit produktiven Tätigkeiten verbringen.“ In anderen Worten: Der Mensch braucht Aufgaben, Hobbys, Zerstreuung.

Forscher: Zwei bis fünf Stunden Freizeit pro Tag sind optimal

Das untersuchten Marissa Sharif und ihr Team auch mittels Online-Experimenten: 6000 Probandinnen und Probanden sollten angeben, wie glücklich sie wären, wenn sie pro Tag 15 Minuten Freizeit hätten oder 3,5 bzw. sieben Stunden. Das Ergebnis: Die Mehrheit empfand den Mittelwert als angenehm. Eine Viertel Stunde stresste die Teilnehmenden laut eigener Aussage. Und auch die sieben Stunden empfanden die meisten als keine reizvolle Aussicht, vor allem, wenn sie den Tag mit unproduktiven Tätigkeiten wie fernsehen verbrachten. Sinnvolle Betätigungen hingegen beschrieben so ziemlich alle als zufriedenstellend. 

Es kommt also auf die Balance an: Zwei bis fünf Stunden Freizeit pro Tag sind laut Studie optimal. Mehr oder weniger machen nicht zufriedener. Und natürlich sollten in dieser Zeit keine Dinge abgearbeitet werden müssen, sondern die Menschen sollten selbstbestimmt sein. Also: Nicht hektisch die Einkäufe erledigen, sondern mit Lust shoppen gehen.

Das Studienergebnis erklärt auch, warum manche Menschen, die sehr viel um die Ohren haben, manchmal zufriedener sind als jene, die objektiv wenig Stress haben. Wer nämlich keine als sinnvoll empfunden Beschäftigung hat, ist unzufrieden. Was jedoch als sinnstiftend erachtet wird, ist individuell verschieden: Für die eine ist es ein Theaterbesuch oder das Buddeln im Garten, für den anderen das Toben mit den Kindern oder die Pilzsuche im Wald.