Berlin: Zwei Jugendliche unter BVG-Bus eingeklemmt, 15-Jährige stirbt

Die beiden Kinder wurden in Lankwitz von einem Bus erfasst und mitgeschleift. Ein Mädchen kam ums Leben. Da es keine freien Rettungswagen gab, wird erneut Kritik am System laut.

Die Rüstgruppe der Feuerwehr arbeitet daran, den BVG-Bus anzuheben. Unter dem Fahrzeug wurden zwei Jugendliche eingeklemmt. 
Die Rüstgruppe der Feuerwehr arbeitet daran, den BVG-Bus anzuheben. Unter dem Fahrzeug wurden zwei Jugendliche eingeklemmt. Morris Pudwell

In Berlin-Lankwitz ist es am frühen Samstagabend zu einem tödlichen Verkehrsunfall gekommen. Aus noch ungeklärter Ursache wurden um 18.40 Uhr auf der Leonorenstraße zwei Jugendliche von einem Doppeldeckerbus der BVG erfasst und laut Augenzeugen etwa 40 Meter mitgeschleift. Dabei wurden sie unter dem Fahrzeug der Linie M82 eingeklemmt. Eines der beiden Mädchen ist verstorben. Es handelt sich nach Angaben der Berliner Polizei um eine 15-Jährige. An der Unfallstelle wurden am Sonntag Blumen abgelegt. 

Nach dem schweren Unfall steht nun auch die Identität der zweiten schwerverletzten Person fest. Wie die Polizei am Sonntagmorgen mitteilte, handelt es sich um eine 14-Jährige. Die Jugendliche werde derzeit in einem Krankenhaus behandelt. Sie erlitt bei dem Unfall schwere Verletzungen am Kopf sowie am Oberkörper und kam zur stationären Behandlung in eine Klinik. Dem Vernehmen nach soll jedoch bei ihr keine Lebensgefahr bestehen.

Trauernde haben an der Bushaltestelle Blumen niedergelegt. 
Trauernde haben an der Bushaltestelle Blumen niedergelegt. Carola Tunk

Der 62-jährige Busfahrer stand unter Schock und musste laut Polizeiangaben ebenfalls medizinisch versorgt werden. Zahlreiche Zeugen, darunter auch mehrere Jugendliche und Kinder, standen unter dem Eindruck des Geschehens. Auch sie wurden von zum Ort alarmierten Seelsorgern betreut. Während der Unfallaufnahme war die Leonorenstraße zwischen Siemens- und Kaiser-Wilhelm-Straße bis etwa 23 Uhr vollständig gesperrt.

Ein erneuter Ausnahmezustand bei der Berliner Feuerwehr hatte nach dem Notruf erneut die Disposition von Rettungswagen erschwert, hieß es aus dem Lagedienst. Demnach befindet sich die Behörde seit 10.55 Uhr im Ausnahmezustand. Es seien selbst am späten Abend nur eine einstellige Anzahl an Rettungswagen verfügbar, hieß es um 22.45 Uhr.

Erster Rettungswagen nach 20 Minuten an Unfallstelle

Die chronische Überlastung sorgte dafür, dass erst etwa 20 Minuten später der erste Rettungswagen an der Unfallstelle eintraf, erklärte Feuerwehrsprecher Rolf-Dieter Erbe. Die anderen Rettungswagen hätten den Angaben zufolge noch länger gebraucht. Als erstes sei ein Notarztwagen (knapp zehn Minuten nach dem Notruf) eingetroffen. Zu dieser Zeit befanden sich die Kinder noch unter dem Bus.

„Zum Glück kam der Rüstwagen schnell über die Autobahn zur Einsatzstelle“, so Erbe. Auch ein Krankenwagen und ein Rettungshubschrauber waren vor Ort, die jedoch nicht zum Einsatz kamen. Der Bus wurde schließlich mit Hilfe spezieller technischer Geräte des Rüstwagens „komplett angehoben“, woraufhin die Retter die Jugendlichen befreien konnten. Für eines der beiden Mädchen kam jede Hilfe zu spät. Die 15-Jährige erlag ihren schweren Verletzungen. 

In ganz Berlin habe zum Zeitpunkt des Unfalls kein Rettungswagen zur Verfügung gestanden, sagte ein Feuerwehrmann am Samstagabend gegenüber der Berliner Zeitung. Es handele sich  „genau um die Art von Einsatz, die wir erwarten und in denen Rettungsdienstmittel fehlen“. „Die Kollegen kotzen im Strahl“, so der Feuerwehrmann.

Insgesamt waren bei dem Unfall 41 Rettungskräfte im Einsatz. Laut Mittteilung der Polizei hätten die beiden Jugendlichen die Straße „mutmaßlich bei für Fußgänger rotem Ampellicht überquert“. Die Polizei ermittelt weiter zum genauen Unfallhergang.