Den Wert für die Sieben-Tage-Inzidenz im täglichen Corona-Lagebericht des Senats ist nach Einschätzung des Reinickendorfer Amtsarzts Patrick Larscheid nicht zu trauen. Die Corona-Inzidenz nehme nach seiner Beobachtung kaum noch jemand ernst, sagte Larscheid in der RBB-Abendschau am Dienstagabend. „Es zählen bestimmte Fälle durch die veränderte Testverordnung nicht mehr so, wie wir sie früher gezählt haben.“

So ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Lagebericht für Dienstag mit 1135,2 angegeben. Allerdings fließen in die Statistik keine Ergebnisse positiver Schnelltests ein - solche Antigentests sind mittlerweile etwa beim Freitesten aus der Quarantäne aber Standard. Häufig melden Gesundheitsämter Corona-Infektionen außerdem gar nicht weiter oder erst verspätet. „Insgesamt wird das Geschehen, was durchaus getestet wird, nicht mehr in den Lageberichten korrekt abgebildet, das muss man so sagen“, sagte Larscheid.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) machte nach der Senatssitzung am Dienstag selbst auf das Problem aufmerksam: „Natürlich gibt es in der Übermittlung der Daten aus den Gesundheitsämtern eine Ungenauigkeit, weil es sicherlich Datenverzögerung gibt und auch nicht vollständige Datenübermittlung.“ Giffey wies aber auf weitere Indikatoren im Lagebericht als Orientierungshilfen hin, etwa die Hospitalisierungs-Inzidenz und die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-Patienten: „Wir sehen an anderer Stelle, wie ist es in den Krankenhäusern, wie ist es in den Intensivstationen, wie ist der Krankenstand in der kritischen Infrastruktur.“