Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid hat die Entscheidung, die Quarantäne für Kontaktpersonen in Schulen und Kitas aufzugeben, gerechtfertigt. „Wir können uns den Luxus dieser Quarantäne nicht leisten, weil sie sinnlos ist“, sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Vergangenen Mittwoch hatten die Berliner Amtsärzte beschlossen, dass Kinder, die in Kitas und Schulen Kontakt zu Infizierten hatten, nicht mehr in Quarantäne müssen. Infizierte Kinder müssen dagegen weiterhin in Quarantäne.

Die Entscheidung hat inzwischen Fragen aufgeworfen. Der Landeselternausschuss Kindertagesstätten etwa fürchtet, dass Eltern, die ihre Kinder als Kontaktpersonen trotzdem zu Hause behalten wollen, keine Quarantänebescheinigung für den Arbeitgeber mehr bekommen. Das bedeute, dass diese Eltern Probleme mit ihrem Arbeitgeber bekommen, wenn sie das Kind zu Hause lassen, sagte die stellvertretende Sprecherin Anja Kettgen-Hahn. Larscheid betonte, man müsse die Sorgen der Eltern ernst nehmen. Die Gesundheitsämter würden sich nicht querstellen, was die Bescheinigungen betreffe.

Schulen und Kitas sind keine Hauptinfektionsorte

Durch das Ende der Kontaktpersonen-Quarantäne in Schulen und Kitas entstehe keine höhere Gefährdung für Kinder und Jugendliche, betonte Larscheid. „Das wäre nicht akzeptabel.“ Die Einrichtungen seien nicht die Hauptinfektionsorte. „Es haben so viele Leute diese Infektion und jeder ist irgendwo Kontaktperson. Das Umfeld, in dem die Infektion stattfindet für Kinder, ist nach wie vor der eigene Haushalt.“

Das Robert Koch-Institut habe schon am 15. Januar deutlich gemacht, dass in der aktuellen Phase der Pandemie die Kontaktpersonen-Quarantäne aufzuheben sei. „Es ist nun ein Stadium der Epidemie erreicht, bei dem man sich auf die Alten und Kranken und nicht auf die Jungen und Gesunden konzentrieren muss. Auch wenn es manche Eltern nicht akzeptieren wollen: Gesunde Kinder gehören nicht zur vulnerablen Gruppe“, so Larscheid.

Der Landesverband sozialpädagogischer Fachkräfte Berlin kritisierte die Entwicklung in einem Schreiben an Bildungs- und Familiensenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD). „Die Lage ist sehr kritisch und wird zudem noch durch eigenmächtige und unabgestimmte Entscheidungen der Berliner Amtsärzte verschlimmert“, heißt es darin.

Rationierung der PCR-Tests trifft Berliner Kitas hart

Die Situation an den Berliner Kitas zeichne sich durch hohen Krankenstand, schlechte Personalausstattung und fehlende Unterstützung aus. Erzieherinnen belegten in der Statistik zu Infektionszahlen einen Spitzenplatz. „Zudem werden nun die PCR-Tests rationiert.“ Der Landesverband forderte, dem Kita-Personal konkrete, realistische Unterstützung anzubieten und ihm positive Signale zu senden.