Die Berliner Apothekerin Melanie Dolfen hat in einem offenen Brief Vorsicht bei der geplanten Cannabis-Legalisierung angemahnt. Dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Burkhard Blienert, macht sie schwere Vorwürfe. Der Brief liegt der Berliner Zeitung vor.

Melanie Dolfen, die in Mitte und in Friedrichshain Apotheken betreibt, schreibt darin an Blienert: „Bisher klingen Ihre Ankündigungen und Stellungnahmen so, als wollten Sie vor allem eine industrie- und steuerfreundliche Lösung. Als ginge es Ihnen vor allem darum, einen florierenden Markt zu organisieren, den der Staat über den kompletten Wertschöpfungsprozess kontrollieren kann. Wobei sich diese Kontrolle vor allem auf die Einnahmenseite zu beziehen scheint.“

Wie gravierend die Risiken für Jugendliche seien, würde Blienert mit keinem Wort erwähnen, wirft Dolfen ihm vor. Obwohl es genügend Warnungen von Experten aus Medizin und Sozialarbeit gebe.

„Die Gefahren, die von higher-potency products ausgehen, ignorieren Sie komplett. Obwohl es aus den USA und Kanada deutliche Hinweise gibt, dass mit der Freigabe von Cannabis die Nachfrage nach Produkten mit höheren THC-Werten steigt“, heißt es wörtlich in dem Brief. Und weiter: „Sie ignorieren, dass es möglich wäre, den Risiken der Cannabis-Legalisierung mit klaren Prinzipien zu begegnen.“

Dolfen macht fünf Vorschläge, wie eine gefahrenfreie Legalisierung gelingen könnte:

  • Gesetzlich verbindliche THC-Grenzwerte
  • Altersgrenzen (ab 25 Jahre)
  • Höchstabgabemengen
  • Cannabis-Herstellung und -Verkauf klar trennen
  • Der Unterschied zwischen Freizeit- und Medizinalcannabis muss gesetzlich geregelt werden