Mit einer „Stolperstein-App“ und einem Podcast erinnern Berliner Grundschulkinder an jüdische Opfer des Nationalsozialismus. „Es ist sehr wichtig, dass wir immer wieder an diese schreckliche Vergangenheit in unserem Land erinnern, und dazu habt ihr sehr viel beigetragen“, sagte Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) am Montag zu Kindern der Grundschule am Teutoburger Platz in Prenzlauer Berg, wo sie sich über das Projekt informiert hat.

Im Unterricht beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit den Schicksalen verschiedener jüdischer Familien in Berlin während der NS-Diktatur. Genau dort, wo ihre Schule heute steht, lebte einst Familie Zeisler. Drei Stolpersteine vor der Schule erinnern an den jungen Daniel und seine Eltern Jetti und Josef Zeisler, die im Holocaust ermordet wurden. Drei ältere Geschwister, Herbert, Hilde und Rahel, schafften es, nach Israel und England zu fliehen.

Nicola Andersson kennt sich mit Geschichte genauso aus wie mit Programmieren. Um die Geschichte hinter den Stolpersteinen zu erzählen, die in Berlin wie in vielen anderen Orten an Opfer des Nationalsozialismus erinnern, entwickelte sie eine App. Die Lehrerin der Grundschule Steffi Mühlbauer hörte davon und nahm Kontakt zu Andersson auf.

So funktioniert die App

Gemeinsam mit den Grundschulkindern konnte Mühlbauer bereits Informationen zu fünf Stolpersteinen in die App aufnehmen - und damit einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen. Mit der Kamera des Smartphones wird der Stolperstein gescannt, dann lassen sich Informationen über die Menschen abrufen, deren Namen auf der Oberfläche zu lesen sind.

„Was ich besonders an der App mag, ist, dass sich jeder runterbeugen muss, um den Stolperstein zu scannen, das zeigt eine Art Respekt und erzeugt auch mehr Aufmerksamkeit“, sagte Andersson. Außerdem müsse der Stolperstein sauber sein, damit die App ihn erkennen kann.

Mühlbauer wünscht sich, dass die App, die noch nicht erhältlich ist, mehr Verbreitung findet: „Es ist ein Bildungsprojekt, und wenn alle Schulen in Berlin mitmachen, werden viele Stolpersteine ihre Geschichte erzählen und die Menschen auf besondere Weise durch unsere Stadt führen“, sagte die Grundschullehrerin.

Lob von der Queen

Zusätzlich zum Stolperstein-Projekt führten die Grundschulkinder Interviews mit der Holocaust-Überlebenden Eva Evans aus England. Aus diesen Gesprächen ist ein Podcast entstanden, der auch beim britischen Königshaus für Aufmerksamkeit sorgte. „Das großartige Engagement, liebe Schülerinnen und Schüler, hat auch unsere Königin, Elizabeth II. gewürdigt, und ich kann mich dem nur anschließen“, sagte der Sprecher der britischen Botschaft, Nicholas Wareham.