Berlin - Eine Berliner Initiative fordert 1100 Euro jährlich für jeden Bürger, der kein Auto besitzt und stattdessen Carsharing, das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Wie die Zeit berichtet, könnten so nach Berechnungen der Initiatoren von Changing Cities und dem Institut für urbane Mobilität 60.000 Privatwagen weniger unterwegs sein. Die Kosten für die sogenannte Freie-Straße-Prämie lägen bei rund einer Milliarde Euro. Finanziert werden soll der Bonus über die „Einnahmen aus dem CO₂-Preis“, heißt es. 

Ein Jahresabo der BVG kostet rund 1000 Euro. In Berlin sind derzeit rund 1,2 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen. Verkehrswissenschaftler Andreas Knie rechnet damit, dass etwa 50 Prozent der Autobesitzer im Alltag auf ihren Pkw verzichten können. Eine Prämie bewege mutmaßlich viele Menschen dazu, über einen Verzicht nachzudenken. 

Autofahren ist immer noch relativ günstig

Knie gibt allerdings gegenüber der Zeit zu bedenken, dass das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs deutlich verbessert werden müsse, da Autobesitzer „anderen Service“ gewohnt seien. Dazu sei eine Von-Tür-zu-Tür-Versorgung erforderlich. Der noch notwendige Blick auf den Fahrplan mindert aus Sicht von Knie die Bereitschaft vieler Menschen vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen. 

Autofahren ist immer noch verhältnismäßig günstig: Die Preise für Busse und Bahnen sind von 2000 bis 2018 um fast 80 Prozent gestiegen, während laut Statistischem Bundesamt sich die Anschaffungs- und Unterhaltskosten für ein Auto nur um 36 Prozent vermehrt haben. Daher müssen aus Sicht des Verkehrsforschers Anreize geschaffen werden, die den ÖPNV „konkurrenzfähig“ machen. Von steuerlichen Vergünstigungen für Autos wie der Pendlerpauschale, dem Dienstwagen- oder dem Dieselprivileg müsse man sich demnach verabschieden.