Berlin - Nach sechsmonatigen Verhandlungen ist nun eine Einigung für zwei Opfer des Berliner Kentler-Experiments erzielt worden. Die Betroffenen sollen eine finanzielle Entschädigung erhalten. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Dienstag mit. Beim Kentler-Experiment wurden Kinder aus Jugendeinrichtungen an pädosexuelle Männer vermittelt. Die zwei Entschädigten waren sechs Jahre alt, als sie von ihren Pflegevätern sexuell missbraucht wurden.

Die genaue Summe der Entschädigung sei nicht bekannt, aber nach Tagesspiegel-Informationen liegt sie etwas höher als die 50.000 Euro, die Kirchen ihren Missbrauchsopfern bezahlen. Die zwei Opfer, die sich öffentlich Sven und Marco nennen, haben demnach ihre Amtshaftungsklage gegen das Land Berlin und das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg zurückgezogen.

Kentler-Experiment mitfinanziert vom Senat

Das Experiment geht auf den Sozialwissenschaftler Helmut Kentler zurück. Es wurde jahrzehntelang bis in die 2000er-Jahre hinein durchgeführt. Dabei wurden pädosexuelle Männer als Pflegeväter für Kinder aus schwierigen Verhältnissen eingesetzt. Die Kinder sollten demnach von der Zuwendung der Männer profitieren. 

Die Senatsverwaltung für Jugend und Familie finanzierte mehrere Pflegestellen bei Pädosexuellen. Bis heute ist unklar, wie viele Opfer das Kentler-Experiment gefordert hat, da die Unterlagen nicht vollständig vorliegen.