Berliner Studie: Darum kann man sich nicht selber kitzeln

Selbst die Empfindlichsten können es nicht: Sich selbst durch Kitzeln zum Kichern bringen. Warum das nicht klappt, haben jetzt Berliner Forscher untersucht.

Eine Frau kitzelt sich mit einer Feder.
Eine Frau kitzelt sich mit einer Feder.imago

Ein Berliner Forscherteam hat herausgefunden, warum man sich nicht selbst kitzeln kann. Die Ergebnisse hat das Team rund um Michael Brecht von der Berliner Humboldt-Universität (HU) kürzlich im Journal Philosophical Transactions of the Royal Society B veröffentlicht.

Kitzeln sei lustig, aber auch noch sehr geheimnisumwoben, so Michael Brecht in einem Gespräch über die Studie mit Wired. „Lachen oder Kichern signalisiert, dass es in Ordnung ist, sich zu berühren. Obwohl es normalerweise unangemessen wäre.“ Brecht ist geschäftsführender Direktor des Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience der HU.

So lief die Studie ab

Für die Studie wurden zwölf Probandinnen nach Berlin eingeladen. In Zweiergruppen sollten sie sich zunächst besser kennenlernen, dann wurden die Paare in einen Raum gebracht, wo sie von einer Hochgeschwindigkeitskamera gefilmt und mehreren Mikrofonen aufgenommen wurden. So konnten die Forschenden Daten über Reaktionszeiten, Atemreflexe und die Lautstärke des Lachens erfassen.

Im ersten Teilversuch sollte eine Person die andere überraschen und zu einem selbst gewählten Zeitpunkt kitzeln. Im zweiten Teilversuch sollte die gekitzelte Person mitmachen, sich also gleichzeitig an derselben oder gegenüberliegenden Stelle mitkitzeln.

Der erste Teilversuch zeigte, dass sich bereits 300 Millisekunden nach dem Kitzeln die Atmung und der Gesichtsausdruck der gekitzelten Person verändern. Erst 200 Millisekunden später kommt es zur Vokalisation: dem Ausbruch des Lachens oder einem Aufschrei. Lachen erfordert laut der Forschenden eine emotional anspruchsvolle Verarbeitung im Gehirn, die Zeit benötigt. Auch fanden die Forscher heraus: Je lauter gelacht wurde, desto kitzliger fühlte es sich für die Probandinnen und Probanden an.

Im zweiten Teilversuch geschah deutlich weniger. Die Probanden lachten in weniger Fällen und auch erst später – erst nach rund 700 Millisekunden.

Selbst Kitzeln würde ständige Überreizung bedeuten

Den Grund für die Kitzel-Blockade erklärt Brecht wie folgt: „Wir glauben, dass das Gehirn weiß, was passiert und deshalb sagt: ‚Sobald du dich selbst berührst, nimm es nichts wahr.‘“ Ansonsten würde das Gehirn ständig überreizt werden oder man würde sich immerzu selbst kitzeln, wenn man die eigenen Zehen berührt oder sich in der Achselhöhle kratzt, so der Forscher.

Sophie Scott, die Neurowissenschaftlerin vom University College in London bestätigt gegenüber Wire, was Brecht vermutet: „Wenn ich sitze, erzeuge ich allein durch meine Bewegung eine Menge körperlicher Empfindungen in meinem Körper. Und das ist für mich weit unwichtiger, als zu wissen, ob jemand anderes den Raum betreten und mich berührt hat.“ Deshalb hemme das Gehirn die Empfindung durch den eigenen Körper.