Berlin„Süßes, sonst gibt’s Saures!“ – das bei Kindern beliebte Um-die-Häuser-Ziehen an Halloween wird von vielen Experten wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr kritisch gesehen. „Die ganz klare Empfehlung ist, den Brauch in diesem Jahr ausfallen zu lassen“, sagt Jakob Maske, Berliner Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Um die Kinder trotzdem nicht zu enttäuschen, suchen Eltern nach Alternativen.

Der ursprünglich amerikanische Brauch ist inzwischen auch in Deutschland weit verbreitet. Am Abend des 31. Oktober wimmelt es vor Häusern normalerweise von Sensenmännern, Zombies oder Skeletten. Viele Kinder ziehen in Gruppen verkleidet von Tür zu Tür, um Süßigkeiten zu sammeln. In diesem Jahr dürften die Straßen leerer sein, denn die Corona-Krise zwingt viele Familien zum Umdenken. „Man weiß ja auch gar nicht, wer da die Tür aufmacht. Eventuell ist es eine Person aus der Gruppe der Risikopatienten“, sagt Maske. Das Risiko einer Ansteckung sei einfach zu hoch.

Auch Kitas raten zu Alternativen zur Süßigkeitenjagd

Auch Kitas raten zu großer Zurückhaltung an Halloween. Der Landeselternausschuss Kita Berlin schließt sich dieser Empfehlung an. „In Zeiten, in denen die Corona-Zahlen deutlich steigen, zieht man nicht in Gruppen um den Block und klingelt an zig Häusern“, sagt die Vorsitzende Corinna Balkow.

Ganz verzichten müssen die Kinder laut Balkow aber nicht auf den Spaß an Halloween. Gerade kleine Kinder könne man auch gut zu Hause bespaßen. „Die Kinder verkleiden sich, klopfen dann zum Beispiel an die Tür der Eltern und bekommen Süßigkeiten“, schlägt Balkow vor. Familien müssten in diesem Jahr einfach kreativ werden.

Für die achtjährige Romy aus Bredow bei Berlin steht laut ihrer Mutter Stephanie ein gruseliger Spaziergang zu einem alten verlassenen Bahnhof an. Für die Schülerin scheint das aber nur ein kleiner Trost zu sein. „Ich finde es sehr blöd und schade, dass wir in diesem Jahr wahrscheinlich keine Süßigkeiten sammeln können“, sagt Romy.

Die Corona-Krise verdirbt nicht nur vielen Kindern das Gruselfest, sie wirkt sich auch auf das Geschäft der Spielwarenindustrie aus. Der jährliche Umsatz an Halloween liegt laut dem Deutschen Verband der Spielwarenindustrie normalerweise zwischen 50 und 100 Millionen Euro. „Das Niveau der letzten Jahre wird kaum zu erreichen sein“, prognostiziert Verbandsgeschäftsführer Ulrich Brobeil.

Kostümhändler sind optimistisch

Viele Online-Kostümhändler verzeichneten dagegen keine großen Schwankungen, sagt Felix Schirl, Geschäftsführer von trbo. Zu den Kunden des Technologieunternehmens gehören nach Unternehmensangaben mehrere Online-Kostümhändler. „Insbesondere Familien mit Kindern freuen sich auf Halloween, darauf wollen sie nicht verzichten.“

Auch Brobeil hält das Um-die-Häuser-Ziehen an Halloween für nicht so risikoreich wie viele Ärzte oder Eltern. Schließlich gingen viele der Kinder auch in dieselbe Klasse oder denselben Sportverein. Zudem könne jeder selbst entscheiden, die Tür zu öffnen oder nicht. „Oder er stellt etwas vor die Tür, wenn ihm das Risiko zu hoch erscheint“, so Brobeil. Die Kinder hätten in diesem Jahr schon genug mitmachen müssen. Man solle ihnen nicht auch noch diese Freude nehmen.

Auch Brandenburgs Gesundheitsministerin ruft zum Verzicht auf

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat mit Blick auf das bevorstehende Halloween-Fest am 31. Oktober von Umzügen abgeraten. Angesichts der deutlich steigenden Corona-Zahlen stellten die beliebten Klingeltouren von Haustür zu Haustür ein zu hohes Infektionsrisiko dar, erklärte die Ministerin am Montag. „Mit diesem Brauch können Infektionen schnell weiterverbreitet werden“, so Nonnemacher.

In Brandenburg sind mittlerweile acht Risikogebiete ausgewiesen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montag liegt die Ansteckung je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen in sechs Landkreisen und zwei kreisfreien Städten über oder beim kritischen Wert von 50.