Berlin - Der Wegfall der Maskenfall sorgt bei einigen Eltern für große Sorge. Die Virologin Melanie Brinkmann, ein enge Beraterin von Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel, nennt die Abschaffung der Maskenpflicht gar „ziemlich dumm“. Der Berliner Kinderarzt  Jakob Maske, zugleich Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinderärzte, schlägt im öffentlich-rechtliche Deutschlandradio in einem aktuellen Interview von Montag nun ungewohnt harsche Töne an. Der Mediziner sagt: „Wir quälen Kinder mit Maske, wir quälen sie mit Testen etc. Das ist die einzige Gruppe, die sich das gefallen lassen muss, weil sie sich nicht selber wehren kann.“ Und weiter: „Corona, muss man sagen, ist für diese Altersgruppe auch – ein Glück – relativ harmlos.“

Zwar wolle er das Virus „nicht herunterspielen“ und es gebe „einzelne schwere Verläufe, gar keine Frage, aber es ist ein im Moment für Kinder harmloser Infekt und wir müssen zur Normalität zurückkommen“. Eine Normalität, die es bei Erwachsenen in Teilen des gesellschaftlichen bereits wieder gibt. Maske: „Wir sind in einer Phase, wo wir Partys feiern als Erwachsene ohne Maske.“ Man sehe „überall Freiheiten für Erwachsene. Wir sehen bei Erwachsenen keine Gruppen, die zweimal pro Woche getestet werden, wo eine relativ sichere Infektionsfreiheit dargestellt wird. Das gibt es nirgendwo anders“.

„Virologen sehen ihre Viren und nicht die Menschen, die dahinter stehen“

Dass es neben einigen besorgten Eltern vor allem die Lehrerverbände sind, die gegen die Abschaffung der Maskenpflicht sind, kritisiert Kinderarzt Maske ebenfalls scharf. Er sagt weiter: „Dann gibt es Lehrerverbände, die Angst haben um ihre Lehrer und sich auch um die Rechte der Kinder wenig kümmern. Das ist sehr bedrückend, muss man sagen. Hier gibt es kaum jemand, der sich um die Rechte der Kinder kümmert.“ Dabei hätten Kinder „sehr, sehr viel zurückgesteckt“.

Jakob Maske wird auch auf die Aussagen der Virologin und Merkel-Beraterin Melanie Brinkmann angesprochen. Sie hatte die Maskenpflicht für Kinder „als etwas, das fast nichts kostet“ und die Abschaffung zugleich als „ziemlich dumm“ bezeichnet. Aus Sicht des Mediziners ist es „sehr belastend für die Kinder, mit Maske in die Schule zu gehen“. Es gebe Kinder, die „noch nie ohne Maske im Unterricht waren“. Maske weiter: „Die Sicht der Virologen ist da ein wenig anders als die Sicht derjenigen, die im richtigen Leben stehen.“ So sähen Virologen „ihre Viren und nicht die Menschen, die dahinter stecken in der Regel, sondern das sind ja wir. Bei uns kommen die Menschen an, zusammen mit den Viren, und wir müssen dann entscheiden, was wir damit tun“.

Der Journalist des öffentlich-rechtlichen Deutschlandradios entgegnet daraufhin, dass die Virologen aber mitunter möglicherweise die Menschen sehen, die auf der Intensivstation um ihr Leben ringen. Dazu der Arzt Maske: „Die Virologen? Nein, die sehen die nicht. Nein!“ Es sei „ja nicht so, dass wir das als Ärzte nicht sehen und nicht auf Intensivstationen unterwegs sind, sondern da sind vorwiegend wir unterwegs und keine Virologen“. Dennoch betont Maske, er würde „Frau Brinkmann nicht als weltfremd und auch nicht als dumm bezeichnen, so wie sie das im Gegenzug mit den Menschen tut, die die Maskenpflicht jetzt wieder weghaben wollen“.

Man muss eine Corona-Infektion für Kinder als relativ harmlos einstufen

Für ihn sei jedenfalls klar: „Es muss endlich wieder eine Normalität geschaffen werden und die Kinder selber, das Individualinteresse der Kinder ist ganz klar für uns in den Vordergrund zu stellen, und hier muss man sagen, dass andere Infektionen manchmal genau den gleichen Schaden hervorrufen wie bei Corona bei den Kindern, oder ähnlich großen, und insofern muss man diese Infektion im Moment als relativ harmlos einstufen. Deswegen kann man auch von der Maske sich wieder entfernen.“

Zudem ist Maske fest davon überzeugt, dass die immer wieder betonte Gefahr erneuter Schulschließungen  nicht gegeben ist, wenn sich die Erwachsenen impfen lassen würden. So müsse man „ganz klar sagen, ich sehe gar keine Gefahr, dass Schulen wieder geschlossen werden, weil die Kinder eigentlich nicht von der Infektion bedroht sind. Wenn die Lehrer und wenn das Schulpersonal und alle anderen Erwachsenen geimpft sind, sind Kinder gut geschützt und die Erwachsenen sind auch gut geschützt. Dann wird es zu keinen Schulschließungen kommen“.

Dass man im Moment hohe Inzidenzen bei Kindern sehen würde, liegt laut Maske daran, dass „sie zweimal in der Woche getestet werden“. Maske weiter: „Das ist mit den Erwachsenen nicht der Fall. Ansonsten würden wir diese hohen Inzidenzen auch bei den Erwachsenen sehen.“ Es könne jedenfalls nicht sein, Kinder „noch weiter zu quälen und die Erwachsenen müssen gar keine Tests machen im Gegenzug, das ist doch nicht mehr erklärbar für eine Gruppe, die an dieser Erkrankung selber kaum erkrankt und kaum schwere Verläufe hat. Das müsste man doch dann eher umdrehen.“