Berlin - An Berliner Schulen findet derzeit der Unterricht im Wechselmodell statt. Dagegen hat eine Berliner Mutter nun Klage eingereicht. „Das Wechselmodell tut unserer Tochter nicht gut. Sie hat so motiviert angefangen, war morgens immer überpünktlich. Jetzt will sie nicht mehr zur Schule gehen.“, sagt Sweeny Westphal. Sie fordert gemeinsam mit ihrer sechsjährigen Tochter eine sofortige Rückkehr zum Regelbetrieb. Über ihren Fall hatte die B.Z. berichtet.

Die Familie begründet ihre Klage damit, dass Schulschließungen eine „Ungleichbehandlung“ in Hinblick auf viele andere Bereiche des öffentlichen Lebens darstellen, die bereits wieder öffnen dürfen. Darunter fallen etwa Friseure, die Gastronomie und Kultureinrichtungen. Dabei sei die Anzahl an Ausbrüchen in Schulen „verschwindend gering“.

Bildungssenatorin Scheeres hatte angekündigt, bis zum Ferienbeginn am 24. Juni den Wechselunterricht beizubehalten. Dabei lernen Schülerinnen und Schüler abwechselnd in kleinen Gruppen in der Schule und zu Hause. Breiterer Präsenzunterricht soll dann nach den Ferien im August starten. Die Senatsverwaltung für Bildung führte in einem Standardschreiben an Eltern weiter aus, dass Unterricht im Regelbetrieb Öffnungen in anderen Bereichen gefährden könnte und das Wechselmodell „organisatorische Kontinuität für die Schulen“ ermögliche.

Verein hat eine Reihe von Verfassungsbeschwerden angekündigt

Darin sieht der Verein „Initiative Familien“ eine schwere Einschränkung des in der Berliner Verfassung garantierten Rechts auf Bildung. Dies lasse sich nicht mit ablauforganisatorischen Erwägungen begründen. „Es zeugt auch von einer tiefen Missachtung der Bedürfnisse von Kindern nach Monaten der sozialen Isolation mit Schule und Kita im Ausnahmezustand“, heißt es von Seiten des Vereins. „Initiative Familien“ hat für die kommenden Tage eine Reihe weiterer Klagen gegen das Berliner Wechselmodell angekündigt.

Jeder Tag zähle, denn Kinder tragen seit Monaten die Hauptlast der Einschränkungen. Die gemeldeten Infektionen würden stetig sinken und ein hoher Anteil der für schwere Verläufe von Covid-19 anfälligen Berliner Bevölkerung sei geimpft, teilt der Verein mit. Das gelte auch für Lehr- und Erziehungskräfte. Alle Voraussetzungen für Schule im Regelunterricht sind damit nach Ansicht des Vereins erfüllt.

Kinderärzte schlagen Alarm

Kinderärzte und Jugendmediziner berichten von teils dramatischer Gewichtszunahme, von Medienabhängigkeit, von Angststörungen, von Depressionen. Der Verein schlussfolgert daher, „Schulen und Kitas im Ausnahmezustand sind ein enormes Risiko für die öffentliche Gesundheit“, und fordert eine sofortige Öffnung der Schulen.

In der Begründung des Senats für das Wechselmodell hieß es weiter, dass die Inzidenz unter Schülern höher liege als im Rest der Bevölkerung. Diese Erklärung weist „Initiative Familien“ jedoch zurück. „Die Altersgruppe der Schüler ist die einzige Altersgruppe, die zwingend 2 Mal die Woche getestet wird. Das trägt zur Aufhellung des Dunkelfelds bei Kindern bei, die so bei Erwachsenen nicht stattfindet.“ Melde-Inzidenzen ließen sich deswegen zwischen den Bevölkerungsgruppen nicht vergleichen.

In den meisten Bundesländern dürfen Kinder ab einer Inzidenz von 50 wieder normal zur Schule gehen. In Berlin liegt die aktuelle Inzidenz-Zahl bei 32,8.