Berlin - Der Verband der Berliner Schulpsychologen hat die ab sofort geltenden verpflichtenden Corona-Schnelltests in den Schulen scharf kritisiert. Damit schließt er sich den Protesten von Eltern und Lehrkräften an. Dabei äußerte der Verband gleich mehrere Sorgen. Es sei etwa nicht ausreichend geklärt, wie damit umzugehen sei, wenn im Klassenzimmer ein Schüler oder eine Schülerin positiv auf das Coronavirus getestet würde. Bei einer positiven Testung vor Ort würden sich die betroffenen Kinder und Jugendliche „einer enormen Scham ausgesetzt“ fühlen,

Wie der Tagesspiegel berichtet, halten die Psychologen die Testungen für einen „psychologischen Drahtseilakt“. Das ließe sich in den Augen der organisierten Schulpsychologen mit einer Testung im Elternhaus vermeiden. Menschen jeden Alters sollten demnach das Recht haben, „medizinische Diagnosen vertraulich und in einem sicheren Rahmen mitgeteilt zu bekommen“.

Mediziner rechnen mit vielen falsch-positive Ergebnissen

Hinzu komme, dass viele Ergebnisse erwartbar falsch-positiv ausfallen würden. In ihrer Stellungnahme rechnet der Landesverband der Schulpsychologen unter Berufung auf Zahlen des Robert Koch-Instituts vor, dass etwa 4,3 Prozent aller Fälle vermutlich ein falsches Ergebnis anzeigen würden. Damit entstünden bei 450.000 Berliner Schülerinnen und Schülern pro Testung jeweils 19.350 falsch positiv Getestete. „Das sind mehr als 19.000 Familien, die unbegründet in Quarantäne geschickt werden“, resümiert der Verband.

Nicht zu vergessen seien außerdem die unnötigen Ängste, die mit einer Testung in den Schulen einhergingen. Viele Kinder und Jugendliche seien derzeit psychisch ohnehin schon schwer belastet. Die Psychologen schreiben demnach in ihrer Stellungnahme weiter, dass sie sich dringend für den körperlichen Schutz der Schülerinnen und Schüler aussprechen, aber die derzeitige Regelung nicht unhinterfragt stehen lassen könnten.

Es müsse geprüft werden, „ob das geplante Verfahren alternativlos ist und ob es den gewünschten und dringend benötigten Effekt von mehr Sicherheit wirklich zu bringen in der Lage sein wird“. Zuvor hatten sich schon Elternverbände für eine Wahlfreiheit beim Testort ausgesprochen.