Berlin - Bei den Beratungen des Senats am Dienstag stand ein weiteres Mal die Corona-Pandemie im Mittelpunkt. Die Senatsmitglieder tauschten sich unter anderem über die befürchtete Ausbreitung der britischen Coronavirus-Variante B.1.1.7 in Berlin aus. In der Vivantes-Klinik in Reinickendorf gilt ein Aufnahmestopp. Dort war die Virusmutation bei einer Reihe von Patienten und Mitarbeitern nachgewiesen worden. Die insgesamt 1700 Klinikmitarbeiter stehen unter sogenannter Pendelquarantäne und dürfen nur zwischen ihrem Zuhause und der Klinik unterwegs sein. 

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) zeigte sich in der Pressekonferenz nach der Senatssitzung besorgt. Es gebe nun erstmals einen großen Ausbruch in einer Berliner Klinik mit steigenden Infektionszahlen. Man könne noch nicht sagen, wie viele Infektionen es insgesamt gebe. Die Tests auf die britische Coronavirus-Mutante und die nötigen Nachtestungen liefen noch, so Kalayci. Der Senat habe das Robert-Koch-Institut (RKI) um Amtshilfe gebeten. Dabei gehe es insbesondere um die Nachverfolgung der Infektionsketten innerhalb des Krankenhauses.

„Die schnelle Übertragung der Virusvarianten ist real“, sagte Kalayci. Man könne, was die mögliche Verbreitung der Virusmutanten auch außerhalb von Krankenhäusern angeht, keine Entwarnung geben. Man wisse beispielsweise nicht, wie viele Mutanten es inzwischen bundesweit gebe. Umso wichtiger sei es, so Kalayci, dass sich alle Bürger an die Lockdown-Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen und Kontaktreduzierung hielten. Die entsprechenden Verhaltensregeln seien auch beim Kampf gegen die Verbreitung von Virusvarianten sinnvoll. Es habe bereits mehrere Ansteckungen mit einer Mutante im privaten Bereich in Berlin gegeben. „Verzichten Sie einfach auf private Treffen in der nächsten Zeit“, mahnte Kalayci. 

Die Gesundheitssenatorin sprach sich außerdem für eine Verschärfung der bundesweiten Quarantäneregelungen für Reisende aus, die aus Corona-Risikogebieten nach Deutschland kommen. Es sei angesichts der aktuellen Infektionslage nicht zielführend, dass man die Quarantäne durch einen Corona-Test verkürzen könne – selbst dann nicht, wenn der Test negativ ausfalle. Die Möglichkeit des sogenannten Freitestens nach fünf Tagen müsse abgeschafft werden, forderte Kalayci. 

Auch wenn man das Problem der Virusmutanten außen vor lasse, sei das Infektionsniveau in Berlin weiterhin viel zu hoch. Als Ziel gab Kalayci eine Inzidenz von 30 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche aus. Bei diesem Niveau könnten Infektionsketten von den Gesundheitsämtern wieder erkannt und durchbrochen werden. Noch sei Berlin davon aber weit entfernt. Am Montag lag der Inzidenzwert bei 108,4.

Bei den Corona-Impfungen komme Berlin „ganz gut“ voran, sagte Kalayci. So sei bei den Bewohnern von Pflegeheimen eine Impfquote von 80 Prozent erreicht. Im Bundesvergleich sei Berlin zudem auf einem guten Niveau bei den Zweitimpfungen.