Berlin - Der Berliner Senat bittet alle, die mit Johnson & Johnson geimpft sind, um eine Auffrischungsimpfung. Das Alter spiele dabei keine Rolle, heißt es in einer Mitteilung. Alle Personen, die Johnson & Johnson bekommen haben, sollen entsprechend der aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Optimierung ihres Impfschutzes eine zusätzliche Impfstoffdosis mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech oder Moderna erhalten. Mindestens vier Wochen (28 Tage) müssten nach der ersten Johnson & Johnson-Impfung  aber vergangen sein.

Angesichts steigender Corona-Zahlen, auch auf den Intensivstationen, werden die Rufe nach einer Auffrischungsimpfung für alle lauter. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im RBB-Inforadio, dass die Booster-Impfung für alle möglich sei, die sie wollten.

Empfohlen sei laut Spahn die Booster-Impfung bisher für Menschen über 60 Jahren. Seiner Meinung nach sollten die Bundesländer diese Menschen auch noch einmal schriftlich einladen. Dafür wolle er nächste Woche bei der Gesundheitsministerkonferenz in Lindau werben.

Jens Spahn: „Wir haben Impfstoff mehr als genug“ 

Empfohlen werde, so Spahn, eine Auffrischungsimpfung aber auch für Menschen, die pflegebedürftig seien oder bestimmte Vorerkrankungen hätten, die im Gesundheitswesen arbeiteten oder mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft worden seien. Für alle anderen sei es aber auch möglich. „Wir haben Impfstoff mehr als genug“, sagte Spahn. Er hatte sich am Donnerstag selbst erneut impfen lassen.

Auf die Nachfrage, dass es mittlerweile wieder Alarmrufe aus Krankenhäusern gebe und ob er die Sorge teile, sagte Spahn: Dass die Zahlen steigen, sei erwartet worden für Herbst und Winter. „Wichtig ist jetzt, dass wir die Belastung in den Intensivstationen in den Krankenhäusern nicht zu stark steigen lassen. Dass wir wieder vorsichtiger, achtsamer miteinander sind.“

Dazu gehöre das Boostern, also das Auffrischen von Impfungen. „Dazu gehören Schutzkonzepte für die besonders Verwundbaren, das sind die Pflegeeinrichtungen“, sagte Spahn. Er werbe bei den Bundesländern sehr dafür, dass alle wieder Testkonzepte für Pflegeeinrichtungen verpflichtend machten – übrigens dann auch für Geimpfte, denn sie arbeiteten mit besonders Verwundbaren. Spahn ist nach der Bundestagswahl noch geschäftsführend im Amt.

Charité-Forscher: Auffrischung für alle würde viel bringen

Wegen der sich verschlechternden Corona-Lage in Deutschland ruft auch der Impfstoffforscher Leif Sander zu einer Ausweitung von Corona-Auffrischimpfungen auf. „Allen impfbereiten Menschen eine dritte Impfung ein halbes Jahr nach der Zweitimpfung anzubieten, hätte auch einen dämpfenden Effekt auf die Virusverbreitung in der Bevölkerung“, sagte der Charité-Wissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur. „Wir bräuchten jetzt sechs bis acht Wochen lang eine große Kampagne wie zu Beginn des Jahres, mit Impfzentren und mobilen Impfteams.“ Dadurch könnten womöglich zusätzlich auch einige Ungeimpfte doch noch erreicht werden. Der Appell zur Auffrischung müsse von Ärzten und der Politik kommen und solle sich insbesondere an Menschen ab 60 richten.

„Ich sehe den Herbst und Winter mit großer Sorge“, sagte Sander. „Wir sind in einer kritischen Phase der Pandemie.“ Die Impfkampagne stagniere viel zu früh, wichtige Teile der Bevölkerung seien noch nicht geimpft, darunter auch viele ältere Menschen mit höherem Risiko für schwere und tödliche Verläufe. Hinzu kämen eine nachlassende Immunität bei älteren Geimpften, die viel ansteckendere Delta-Variante und ein stark überbeanspruchtes Gesundheitssystem.

Nach bisherigem Wissensstand könne die Gabe von insgesamt drei Impfstoffdosen den besten Schutz vor Sars-CoV-2 aufbauen, erläuterte Sander. Ein solches Schema sei auch von anderen Impfungen bekannt.

Trotz der Argumente für eine Auffrischung: „Wir sprechen immer noch über fantastische Impfstoffe“, sagte Sander. Schweren und tödlichen Verläufen könne damit sehr gut vorgebeugt werden. Dass es zu Ansteckungen bei Geimpften komme, sei nicht überraschend. „Das Problem ist, dass wir zu viele Ungeimpfte in der Bevölkerung haben. Dadurch kann es für das Gesundheitssystem kritisch werden, wenn der Schutz von Geimpften nachlässt und diese wieder mehr zum Infektionsgeschehen beitragen.“