Berlin - Aufgrund der verspätet gelieferten Akten des Verfassungsschutzes möchte die Opposition im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt weitere Zeugen vernehmen. Konkret geht es um Informationen über zwei Männer aus dem Umfeld der 2017 verbotenen Fussilet-Moschee in Berlin, in der auch der spätere Attentäter Anis Amri verkehrte.

Wie aus dem Protokoll einer Befragung von Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang durch den Ausschuss hervorgeht, hatte sich rund drei Monate nach dem Attentat auf dem Breitscheidplatz ein Informant aus der radikalen Salafisten-Szene über ein Hinweistelefon beim Bundesamt für Verfassungsschutz gemeldet. Der junge Mann soll Angaben zu einem anderen Salafisten gemacht haben, der ebenfalls zum Fussilet-Umfeld gehörte und am Abend des Anschlags auf dem Breitscheidplatz gesehen wurde.

Salafist meldete sich beim Verfassungsschutz

Es war der bislang schwerste islamistische Terroranschlag in Deutschland. Amri, ein abgelehnter Asylbewerber und Drogendealer aus Tunesien, hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagenfahrer getötet. Er raste dann mit dessen Fahrzeug über den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz, wo er elf weitere Menschen tötete. Der Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) floh nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde.

Der Untersuchungsausschuss soll Fehler der Behörden in Zusammenhang mit den Anschlag aufdecken. Was die Abgeordneten von FDP, Grünen und Linksfraktion jetzt umtreibt, ist unter anderem die Frage, ob der Hinweisgeber auch zu Amri befragt wurde – was angesichts der Umstände wohl eigentlich selbstverständlich gewesen wäre.

Wie der Ausschuss, der seine Zeugenvernehmung eigentlich schon abgeschlossen hatte und bereits mit dem Verfassen eines Abschlussberichts begonnen hat, jetzt weiter verfährt, ist noch nicht abschließend geklärt.