Berliner Zoo nach Vogelgrippe-Fall weiter geschlossen

Erst Corona, dann Energiekrise und jetzt auch noch die Geflügelpest: Der Berliner Zoo kommt nicht aus dem Krisenmodus heraus. Und eine noch andauernde Schlie...

ARCHIV - Keine Besucher sind im Berliner Zoo unterwegs.
ARCHIV - Keine Besucher sind im Berliner Zoo unterwegs.Monika Skolimowska/dpa

Berlin-Nach bislang einem bestätigten Fall von Vogelgrippe bleibt der Berliner Zoo weiter geschlossen - und bangt um den Erhalt seines großen Vogelbestands. „Die Öffnung des Betriebes ist nicht im Fokus. Dass dieser Tierbestand am Leben bleibt, ist im Fokus“, sagte Zoodirektor Andreas Knieriem am Mittwoch. Der Zoo versuche, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, um die vorgeschriebene Tötung des Vogelbestands nach einem Geflügelpest-Nachweis abzuwenden. Der große materielle Schaden - wahrscheinlich im Millionenbereich - ist für Knieriem angesichts dieser Gefahr nachrangig, wie er sagte.

Im Zoo leben rund 1200 Vögel - nicht nur Hühner und Gänse, sondern auch Exoten wie Pinguine und Flamingos. Die Bestände hat der Zoo über Jahrzehnte aufgebaut. Der materielle Wert lasse sich nicht beziffern, hieß es. Die Situation sei sehr schwierig und wirtschaftlich eine „mittlere Katastrophe“, sagte Knieriem. Es fehlten Einnahmen, nachdem auch schon die Pandemie Einschnitte gebracht hatte. Dass die Schließung seit dem 18. November noch bis voraussichtlich Ende des Jahres andauert, gilt laut Zoo derzeit als wahrscheinlich - vorausgesetzt, es erkranken keine weiteren Tiere.

Nach der Bestätigung der Geflügelpest bei einem gestorbenen Wasservogel vor rund zwei Wochen wurden weitere rund 1200 Tiere getestet. Bislang hat es laut Zoo keine weiteren nachgewiesenen Infektionen gegeben. Damit sind weitere Ansteckungen aber noch nicht sicher ausgeschlossen: Die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch betrage maximal 21 Tage, sagte Maria Kaschubat, amtliche Tierärztin der zuständigen Veterinär- und Lebensmittelaufsicht vom Ordnungsamt Mitte. Laut Zoo steht ein kleiner Teil der Testergebnisse auch noch aus, auch weitere Testreihen seien dann noch nötig.

Wann Berliner Behörden über die Ausnahmegenehmigung entscheiden, war zunächst offen. Die Risikobewertung laufe noch, sagte Torsten Nöldner von der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz. Deutschland müsse mit Informationen der Berliner Behörden auch der EU berichten. Es sei ganz klar Ziel, nicht zu keulen, sagte Kaschubat.

Eine Besonderheit ist, dass mit Ausnahme des Falls im Zoo in diesem Herbst bislang weder in Berlin noch in Brandenburg bestätigte Vogelgrippe-Fälle bekannt geworden sind. Die Frage, wie das Virus in den Zoo kam, ist bisher nicht geklärt. Es kann durch direkten Kontakt unter Tieren übertragen werden, aber zum Beispiel auch durch kontaminierte Schuhe, Kleidung oder Einstreu.

Ziel ist es, eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Auch soll vermieden werden, dass Grippekranke mit dem Vogelgrippe-Erreger in Kontakt kommen, um etwaige für Menschen gefährliche Veränderungen des Virus zu vermeiden. „Daher sind diese Maßnahmen so strikt und so hart“, sagte Kaschubat.

Neben Vögeln wurden im Zoo unter anderem auch Schweine sowie Seelöwen und -hunde getestet. Dies sind Tiere, von denen bekannt sei, dass sie auch für den Erreger empfänglich sind. Zu den verschiedenen getroffenen Maßnahmen gehört auch, die auf dem Gelände verteilten Vogelbestände abzuschirmen, um gegenseitige Infektionen möglichst zu unterbinden.

In anderen Zoos in Deutschland ist es nach früheren Geflügelpest-Fällen bereits zu Keulungen von Tieren gekommen. Der Zoo Karlsruhe hingegen bekam zu Jahresbeginn trotz mehrerer Nachweise eine Ausnahmegenehmigung. Die jeweiligen Umstände gelten aber als schwer vergleichbar.