Berlin - An den landeseigenen Krankenhäusern Vivantes und Charité soll voraussichtlich ab diesem Donnerstag unbefristet gestreikt werden. Das teilte die Gewerkschaft Verdi am Montag nach Urabstimmungen mit. Sie rechne mit deutlich mehr als 1000 bis 2000 Beschäftigten, die in den Streik treten, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger. „Das wird sicherlich spürbar werden für die Unternehmen“, so Jäger.

Verdi fordert zudem, dass von Vivantes im Zuge des Streiks innerhalb weniger Tage rund 850 Betten geschlossen werden sollen. Aufgrund des Streiks ist auch mit Einschränkungen der Rettungsstellen zu rechnen. Von den geforderten Schließungen wären unter anderem Palliativbereiche mit schwerkranken oder sterbenden Menschen betroffen. Die kardiologische Versorgung im Berliner Norden müsste eingestellt, die Notfallversorgung für Schlaganfallpatienten abgemeldet und eine erhebliche Zahl von schwerkranken Patienten der neurologischen Frührehabilitation aus dem Klinikum Spandau verlegt werden. Auch die akut-psychiatrische Patientenversorgung in Reinickendorf und Neukölln würde über Tage sehr stark eingeschränkt.

Der Vorstand der Charité bedauert die angekündigten Streikmaßnahmen, wie ein Sprecher sagte. Der Vivantes-Konzern legte unterdessen Pläne für ein neues Modell vor, dass Pfleger entlasten soll. Im Falle eines Streiks würden weitere Verhandlungen aber ausgesetzt, hieß es vom Konzern.

Bei den Urabstimmungen in den Krankenhäusern sowie Vivantes-Tochterunternehmen stimmten jeweils rund 98 Prozent der teilnehmenden Mitglieder oder mehr für einen Streik, berichteten Vertreter. Genaue Angaben zur Zahl der Verdi-Mitglieder veröffentliche die Gewerkschaft nicht, sagte Jäger. Es habe aber im Zuge der Warnstreiks in den vergangenen Tagen einen deutlichen Zuwachs von über 1800 Mitgliedern in den Krankenhäusern gegeben.

Modell: Flexiblere Arbeitseinteilung, weniger Belastung und mehr Qualität

Das Modell von Vivantes sehe vor, dass der Leistungsumfang der Krankenhäuser sich nach dem vorhandenen Personal richte, teilte eine Sprecherin mit. Ziel sei es, die Versorgungsqualität zu verbessern und gleichzeitig die Belastung für Pflegekräfte zu begrenzen. Der Vivantes-Vorschlag sieht auch eine deutlich flexiblere Arbeitseinteilung vor. Das Modell müsse aber zunächst getestet werden.

„Im bestehenden Gesundheitssystem stellt uns das allerdings vor enorme wirtschaftliche Herausforderungen. Daher werden wir gemeinsam mit Verdi Finanzierungsmöglichkeiten für dieses Vorhaben finden müssen“, erklärte Personalgeschäftsführerin Dorothea Schmidt. Vivantes und Verdi haben demnach weitere Arbeitstreffen vereinbart, in denen die Vorschläge gemeinsam konkretisiert werden sollen.

Verdi kämpft für höhere Bezahlung der Beschäftigten in Tochterfirmen

Verdi hatte bereits mit einem dreitägigen Warnstreik den Krankenhausbetrieb in beiden Kliniken eingeschränkt. Die Gewerkschaft kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Bezahlung der Beschäftigten in Tochterfirmen. Vorausgegangen waren auch gerichtliche Auseinandersetzungen. Unter anderem ging es um Notdienst-Regelungen.