BerlinDie Internetplattform abgeordnetenwatch.de hat erstmals Unterlagen veröffentlicht, aus denen hervorgehen soll, dass zu dem Gesetzgebungsverfahren um Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) dem Druck der Agrarwirtschaft nachgegeben hat. Abgeordnetenwatch.de hatte die Unterlagen über das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angefordert. 

Der Geruch vom Fleisch männlicher Schweine gilt als unangenehm. Daher werden sie kastriert - bislang ohne Betäubung. Über die Alternativen für die betäubungslose Kastration sind sich die Tierschützer und Landwirte uneinig.

So sollen der Deutsche und der Bayerische Bauernverband für die Lokalanästhesie als beste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration mit Erfolg lobbyiert haben. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kündigte Ende 2017 an, eine Studie über die Lokalanästhesie in Auftrag zu geben. Aus den Unterlagen gehe hervor, dass Ministerien und Behörden sich offenbar sehr um den von der Bauernlobby präferierten Weg bemüht haben. 

Kritiker sollten „an Bord geholt“ werden

Dies sollen auch Unterlagen zum Bund-Länder-Verbände-Gespräch vermuten lassen. Interne Papieren zur Vorbereitung des Treffens sollen darauf schließen lassen, dass auf die Diskussion des um die Lokalanästhesie ein besonderes Augenmerk gelegt werden sollte: „Ziel“ sei es gewesen, „etwaige Kritiker am Verfahren der Lokalanästhesie (Tierärzte, Tierschutzorganisationen) ins Boot zu holen‘.“

Das Bund-Länder-Verbände-Gespräch zum Tierschutzgesetz fand am Ende jedoch offenbar ohne Tierschutzorganisation statt. Ob dieser Weg funktionieren würde, war zudem nicht klar. Die Lokalanästhesie hätte ab 2019 eine wirksame Schmerzausschaltung erreichen müssen. „Tierschutzorganisationen und Bundestierärztekammer verwiesen jedoch darauf, dass es für Ferkel keine geprüften oder überhaupt zugelassenen Wirkstoffe hierfür gebe“, heißt es bei Abgeordnetenwatch.