Die Axel-Springer-Zentrale in Berlin.
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BerlinMatthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns, hat Fehler in der Berichterstattung der „Bild“-Zeitung zu den in Solingen getöteten Kindern eingeräumt. „Wir haben Fehler gemacht bei Axel Springer: ‚Bild‘ hat WhatsApp-Nachrichten eines Kindes, das überlebt hat, in einem Artikel eins zu eins veröffentlicht“, sagte Döpfner. Man habe den Schutz von Minderjährigen in dem Fall eindeutig missachtet. Döpfner äußerte sich auf dem Kongress des Zeitungsverlegerverbands BDZV, zu dessen Präsidenten er am Montag wiedergewählt worden war.

Andere Medien hätten zu Recht diese Grenzüberschreitung kritisiert, betonte Döpfner. „Manche, obwohl sie selbst auch ausführlich aus den privaten Nachrichten des Jungen zitiert hatten“, so Döpfner weiter. „Bild“ habe den Artikel schnell zurückgezogen und auch andere Medien hätten ihre Berichte angepasst. Intern habe man bei Springer viel und sehr kritisch über diesen Vorgang diskutiert. Wie die Berliner Zeitung in der Medienmacher-Kolumne berichtete, hatte sich Döpfner intern bereits von der Berichterstattung distanziert.

„Wir wollen und wir müssen das in Zukunft besser machen. Vielleicht kann ja dieser Fall Anlass sein für eine breite Debatte über Standards und Werte im Spannungsfeld zwischen der Freiheit der Presse auf der einen Seite und dem berechtigten Schutz von Persönlichkeitsrechten“, sagte Döpfner.

Anfang September waren in einer Wohnung im nordrhein-westfälischen Solingen fünf tote Kinder gefunden worden. Die 27 Jahre alte Mutter steht unter Verdacht, sie getötet zu haben. Nur ihr elfjähriger Sohn blieb am Leben.