Berlin - Berlin schneidet in einem neuen Ländervergleich zur Bildungsqualität schlecht ab. Im neuen INSM-Bildungsmonitor rangiert die Hauptstadt unter den 16 Bundesländern auf Platz 13. Das war auch schon im Vorjahr so, 2019 fand sie sich auf dem letzten Platz wieder. In dem am Donnerstag veröffentlichten Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sind zahlreiche Baustellen aufgelistet. Sie betreffen nicht zuletzt die Schulen, aber auch Berufsschulen und die Integration.

So habe bei Vergleichsarbeiten ein relativ hoher Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards erreicht, heißt es. Bei den Schulleistungstests für Neuntklässler in Mathematik und Naturwissenschaften habe Berlin 2018 einen der letzten Plätze eingenommen. Bei allen diesen Faktoren belegt Berlin im Ranking den 15. und damit vorletzten Platz. 

Massive Defizite auch in der beruflichen Bildung

Defizite gibt es laut der Studie auch bei der beruflichen Bildung – trotz Fortschritten in den letzten Jahren. Gemessen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter seien 2020 weiterhin relativ wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten worden. Die Quote lag demnach bei 47 Prozent und war die niedrigste in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 63,1 Prozent). Ebenfalls ganz hinten ist Berlin bei der Quote der unversorgten Bewerber.

Bei der Integration von Ausländern in das Bildungssystem besteht angesichts der Studienergebnisse ebenfalls weiterhin Handlungsbedarf. Hier liegt Berlin im Länder-Ranking auf Platz 13. Von 3991 ausländischen Schulabgängern 2019 seien 754 ohne Abschluss geblieben. Dies ergibt eine Schulabbrecherquote in dieser Gruppe von 18,9 Prozent (Bundesdurchschnitt: 17,6 Prozent).

UVB sieht massiven Handlungsbedarf an Schulen

Alexander Schirp, der stellvertretende  Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin/ Brandenburg (UVB), sagte dazu am Mittwoch: „Corona hat die Defizite der Berliner Schulen beim digitalen Lehren und Lernen und bei der Schulqualität schonungslos offengelegt.“ Und weiter: „Die Lernrückstände bei den Kindern und Jugendlichen in Folge der Schulschließungen sind eine zusätzliche Hypothek.“ Schon vor Corona sei der Handlungsbedarf „gerade bei den Schulen massiv“ gewesen. Die Politik müsse „aufpassen, dass Berlin jetzt nicht noch weiter zurückfällt und die Chancen einer ganzen Generation von Schülerinnen und Schülern leiden“. Bei der Ausbildung der Fachkräfte von morgen könnten die Unternehmen„ nicht dauerhaft reparieren, was an den Schulen nicht funktioniert“.

Der nächste Senat müsse „eine Qualitätsoffensive für die Schulen starten und die Defizite der Kinder und Jugendlichen gezielt angehen“. Es brauche „ein Aufholprogramm, damit benachteiligte Schülerinnen und Schüler nicht zu den größten Verlierern werden“. Bei der Digitalisierung der Bildung sei klar, dass es nicht an Geld mangele. Moderne Hardware und schnelle Leitungen seien aber „allenfalls die halbe Miete“. Die Berliner Lehrkräfte müssten „für das digitale Lehren und Lernen umfassend unterstützt und dauerhaft weitergebildet werden“.

Zahl der Hochschulabsolventen in Brandenburg niedrig

Brandenburg ist unterdessen auf den vorletzten Platz abgerutscht. Im vergangenen Jahr lag das Land im „Bildungsmonitor“ auf Platz 14 der 16 Bundesländer. Schwächen sehen die Forscher in Brandenburg insbesondere bei der Digitalisierung: Die Verfügbarkeit von Breitband an den Schulen sei gering und der Zugang zur Weiterbildung der Lehrkräfte unterdurchschnittlich.

Bemängelt wird außerdem, dass die Zahl der Hochschulabsolventen gemessen an der Zahl der in Brandenburg lebenden Akademiker niedrig sei und vergleichsweise wenige Habilitationen abgeschlossen würden. Auch die Erfolgsquote in den Abschlussprüfungen der dualen Ausbildung sei sehr niedrig. Zudem würden viele Grundschüler verspätet eingeschult und der Anteil der vorzeitig abgebrochenen Ausbildungsverträge sei hoch.

Daten stammen aus Jahren 2018 bis 2020

Positiv wird in der Studie dagegen vermerkt, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Brandenburg gering sei. Vergleichsweise viele Schüler erreichten in Kompetenztests die Mindeststandards und viele Berufsschüler würden in Fremdsprachen unterrichtet.

Die Vergleichsstudie bewertet anhand von 93 Indikatoren in zwölf Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Die zusammengetragenen Daten stammen aus den Jahren 2018 bis 2020. Die INSM wird nach eigenen Angaben von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie finanziert.