In Berlin sind bislang rund 7000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine offiziell registriert worden. Das teilte ein Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) am Montag auf Anfrage mit. Die Registrierung begann demnach am 5. März. Sie ist Voraussetzung, damit die Menschen hier Sozialleistungen beziehen oder eine Arbeit aufnehmen können.

Einen Rückschluss auf die Gesamtzahl geflüchteter Ukrainer in Berlin lassen die Angaben nicht zu. Viele sind in Berlin zunächst ohne Registrierung untergekommen. Sie dürfen sich bis zu 90 Tage in Deutschland aufhalten, ohne sich bei den Behörden melden zu müssen.

Allein am Wochenende kamen 11.200 Geflüchtete an

Am Wochenende kamen allein mit Zügen und Bussen rund 11.200 Geflüchtete in der Hauptstadt an, wie aus dem am Montag veröffentlichten Lagebericht der Sozialverwaltung hervorgeht. Etwa 1000 davon brachte der Senat demnach unter, die übrigen reisten weiter oder kamen in Berlin privat unter.

Niemand weiß derzeit genau, wieviele Geflüchtete insgesamt in Berlin sind. Erst in den kommenden Wochen dürfte das mit fortschreitender Registrierung klarer werden.

Neues Ankunftszentrum in Tegel bietet mehr Kapazität

In dem am Sonntag eröffneten neuen Ankunftszentrum Ukraine auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Tegel können pro Tag bis zu 10.000 Kriegsflüchtlinge registriert werden. Unmittelbar danach sollen sie in einem verbindlichen Verfahren auf alle Bundesländer verteilt werden.

Laut Landesflüchtlingsamt wurden am Montag die ersten 48 Landesbeschäftigten aus anderen Bereichen der Verwaltung in dem Zentrum eingesetzt, die sich auf einen Aufruf des Senats hin gemeldet hatten. Am Dienstag folgen demnach 59 weitere.

Bundeswehr packt im Ankunftszentrum an

Unter den Menschen, die im Ankunftszentrum arbeiten, sind auch 80 Soldaten der Bundeswehr. Diese Unterstützung ist laut Senat allerdings nur bis zum 31. März bewilligt. Über eine Ausweitung der Amtshilfe wird beraten.

Die FDP plädierte für eine Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes. Der Sprecher für Soziales der FDP-Fraktion, Tobias Bauschke, sagte der Deutschen Presse-Agentur, schließlich sei Berlin das „deutsche Epizentrum der Fluchtbewegungen“ infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. „Allerdings muss sich der Berliner Senat die Frage gefallen lassen, weshalb er regelmäßig bei Lagen unterhalb der Großschadenslage - vom Katastrophenfall gar nicht zu sprechen - nicht in der Lage ist, den jeweiligen Lagen mit zivilen Kräften zu begegnen“, fügte Bauschke hinzu.

Aus Sicht des Koordinators für die Unterbringung, Albrecht Broemme, könnte die Zahl der Kriegsflüchtlinge, die Berlin täglich erreichen, nach einem zwischenzeitlichen Rückgang wieder steigen. „Wir hatten schon bis zu 10.000 am Tag. Damit werden wir fertig werden“, sagte Broemme im RBB-Inforadio. „Wir müssen aber auch damit rechnen, mit 20.000 Flüchtlingen am Tag fertig zu werden.“

„Es gibt einen Rückstau“

Derzeit kommen nach Broemmes Worten täglich ein Drittel weniger Ukrainer in Berlin an als noch vor Tagen. Zum einen gebe es eine Umverteilung in Polen und auf andere deutsche Städte. Zum anderen seien Fluchtwege in der Ukraine wegen Beschusses schwer passierbar. „Es gibt einen Rückstau.“

Jugend- und Familiensenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) fordert unterdessen ein engeres Zusammenwirken von Bund und Ländern bei der Aufnahme besonders hilfsbedürftiger Flüchtlinge aus der Ukraine. Immer mehr Waisenkinder, unbegleitete Minderjährige, Schwerkranke und Menschen mit Behinderung kämen nach Deutschland - und oft zu allererst nach Berlin, sagte die aktuelle Vorsitzende der Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK) der dpa.

Berlin leiste bei ihrer Aufnahme und Betreuung überdurchschnittlich viel. „Bei allem Engagement und der großen Solidarität, die es in der Stadt gibt, wünsche ich mir aber eine Koordinierung auf Bundesebene“, sagte Busse. Sie schlug etwa die Bildung einer zentralen Anlaufstelle für ukrainische Waisenkinder vor, die einen Überblick habe über bundesweite Kapazitäten bei der Unterbringung und diese dann gezielt steuern könne. Laut Busse will die JFMK an diesem Dienstag bei einer Schaltkonferenz über das Thema sprechen.

Pro Tag erreichen rund 13 unbegleitete Minderjährige Berlin

Nach den Worten der Senatorin kamen pro Tag zuletzt durchschnittlich 13 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine ohne Begleitung von erwachsenen Familienangehörigen in Berlin an. Normalerweise seien es 3 bis 4 unbegleitete Minderjährige pro Tag aus anderen Staaten. Seit Kriegsbeginn am 24. Februar bis Mitte vergangener Woche habe der Senat etwa 120 Betroffene aus der Ukraine vorläufig untergebracht.