BerlinVor drei Wochen wurde in Berlin-Friedrichshain das für die linksradikale Szene so symbolträchtige Wohnprojekt „Liebig 34“ geräumt. Ruhiger ist es seitdem in dem Kiez nicht geworden. Am Samstagabend zogen rund 1000 Demonstranten an dem Haus in der Liebigstraße vorbei, um gegen Gentrifizierung und Kapitalismus zu protestieren. Dabei kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den rund 600 eingesetzten Polizisten. Mindestens sieben Polizisten wurden verletzt. 

„Es herrschte eine sehr aggressive Stimmung“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen. Teilnehmer aus dem Demonstrationszug hätten immer wieder die Einsatzkräfte angegriffen, hieß es. Die Demonstranten waren gegen 19.40 Uhr unter dem Motto „United We Fight“ am Helsingforser Platz gestartet. Ihr Ziel war der der S-Bahnhof Storkower Straße. Schon zu Beginn habe es Aufrufe zur Konfrontation mit den Einsatzkräften gegeben, teilte die Polizei mit. Immer wieder wurde der Berliner Senat und die Polizei beschimpft beziehungsweise aggressiv angegangen.

Knapp zehn Minuten  nach dem Start der Demonstration sei ein Polizist von einer geworfenen Flasche getroffen worden, erklärte der Polizeisprecher. Der Beamte blieb unverletzt. Kurz darauf vermummten sich im vorderen Bereich des Aufzuges bis zu 15 Linksradikale. Die Versammlungsleitung wurde daher aufgefordert, die Teilnehmer darauf hinzuweisen, die fortdauernden Rechtsbrüche zu unterlassen. Kurz nach 20 Uhr erreichte die Demonstration den Einmündungsbereich Warschauer Straße / Grünberger Straße. Dabei kam es entlang der Aufzugsstrecke wiederholt zum Abbrennen von Feuerwerkskörpern auf umliegenden Hausdächern. Einige Böller seien zudem auf die Fahrbahn geworfen worden.

Ein Großaufgebot der Polizei begleitete den Demonstrationszug. Dabei wurden die Einsatzkräfte immer wieder angegriffen. 
Foto: Imago Images/Jean MW

Immer wieder seien Nebeltöpfe und weitere Pyrotechnik gezündet worden, sodass die Versammlungsleitung erneut aufgefordert werden musste, die Demonstranten zu beruhigen. Kurz vor 21 Uhr schob eine ungefähr 15-köpfige Personengruppe einen Baucontainer auf die Kreuzung Liebigstraße / Rigaer Straße, den sie daraufhin mit davor platzierten Reifen in Brand steckten. Anschließend flüchteten sie in Richtung Proskauer Straße. Einsatzkräfte nahmen vier verdächtige Brandstifter aus der Gruppe fest.

Linksradikale dringen in die geräumte Liebigstraße 34 ein

Während einer Zwischenkundgebung auf der Kreuzung wurden Einsatzkräfte immer wieder mit Steinen und Flaschen beworfen. Es kam zu Schubsereien und Rangeleien. Kurz darauf setzte sich die Demonstration wieder in Bewegung, wurde jedoch am Bersarinplatz von der Versammlungsleitung beendet. Im Verlauf der vorherigen Zwischenkundgebung stellten die Einsatzkräfte ein Transparent an der Fassade des Hauses Liebigstraße 34 fest, dass sie entfernten. Darauf stand: „L34FOREVER“.  Im Objekt selbst waren nach Angaben der Polizei keine Personen.

Im Internet vermuteten manche Nutzer zwischenzeitlich, das Haus sei erneut zum Teil besetzt worden. Über den Twitter-Kanal „Liebig34bleibt“ wurde am späten Abend aber mitgeteilt: „Nicht wieder besetzt. Dennoch: eine mega starke Aktion!!! Liebig 34 lebt! Ungebrochen Unversöhnlich!“. 

Insgesamt mussten die Polizeikräfte 14 Männer, fünf Frauen und eine intersexuelle Person vorrübergehend festnehmen. Es wurden 32 Strafermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs, des tätlichen Angriffs, der versuchten Gefangenenbefreiung und Beleidigung.