Tumult: Bolsonaro-Anhänger blockieren Straßen in ganz Brasilien

Während sich Wahlsieger Lula auf die Machtübergabe vorbereitet, ist der abgewählte Präsident Bolsonaro untergetaucht. Seine Anhänger laufen Sturm.

Lastwagenfahrer protestieren auf einer Autobahn gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl.
Lastwagenfahrer protestieren auf einer Autobahn gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl.dpa/Igor Do Vale

Aus Protest gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl haben in Brasilien Anhänger des abgewählten Jair Bolsonaro mehr als 200 Straßensperren in dem südamerikanischen Land errichtet. Unter den Demonstranten waren viele Lastwagenfahrer, wie die brasilianische Zeitung Folha de S. Paulo unter Berufung auf die Polizei berichtete. Demnach betrafen die Blockaden wichtige Verkehrsachsen wie eine Stadtautobahn in der Wirtschaftsmetropole und eine Verbindungsstraße zwischen Rio de Janeiro und São Paulo.

Es entstanden kilometerlange Staus, die das Fortkommen der Brasilianer vor dem Feiertag Allerseelen am Mittwoch erheblich beeinträchtigten. Einige Protestierende hängten der „Folha“ zufolge brasilianische Fahnen an ihre LKW, manche beschimpften auch den gewählten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Die befürchteten Gewaltausbrüche blieben zwar aus. Allerdings kam es laut Folha zu Tumulten. Der Präsident des Obersten Wahlgerichts wies die Polizei an, die Blockaden zu beenden.

Der linke Ex-Präsident Lula (2003-2010) hatte die Stichwahl um das Präsidentenamt im größten Land Lateinamerikas knapp gewonnen. Er kam am Sonntag auf 50,9 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt in Brasília bekanntgab. Der rechte Amtsinhaber Bolsonaro erhielt demnach 49,1 Prozent.

Lula-Team bereitet sich auf Regierungswechsel vor

Bolsonaro war daraufhin abgetaucht und hatte sich auch 24 Stunden nach Bekanntgabe des Ergebnisses noch nicht geäußert. Die zu seinen Unterstützern gehörenden Trucker sind in Brasilien eine mächtige Berufsgruppe, weil ein großer Teil des Gütertransports in dem Land auf der Straße erfolgt.

Währenddessen bereitet sich das Team von Wahlsieger Luiz Inácio Lula da Silva auf einen Regierungswechsel ohne Mithilfe des amtierenden Staatschefs vor. „Ich hoffe, dass zum Wohle Brasiliens und des brasilianischen Volkes Normalität Einzug halten wird. Wenn der Präsident, wenn Jair Bolsonaro nicht teilnehmen möchte, ok“, sagte die Vorsitzende von Lulas Arbeiterpartei (PT) und Leiterin der Wahlkampagne, Gleisi Hoffmann, im TV-Sender Globo News. „Der Regierungswechsel ist gesetzlich geregelt. Das ermöglicht uns, die Machtübergabe zu vollziehen, unabhängig von der Beteiligung des Präsidenten.“ Lula tritt sein Amt am 1. Januar 2023 an.