BerlinDie Entschärfung einer US-amerikanischen Fliegerbombe in der Neuenburger Straße in Kreuzberg ist abgeschlossen. Die Weltkriegsbombe war am Freitagnachmittag entdeckt worden. Der Einsatz dauerte rund zehn Stunden. Rund 7500 Menschen waren laut Polizei betroffen.

Für die zuständigen Experten war der Einsatz eigenen Angaben zufolge Routine: „Ängste muss man in dem Augenblick wegdrücken“, sagt Polizeifeuerwerker Dietmar Püpke (55) der Berliner Zeitung. „Die Bombe ist eine Standardbombe, sie ist versehen mit zwei Zündern“, so Püpke. Beide Zünder seien leicht deformiert gewesen, hätten aber dennoch unter normalen Umständen aus der Bombe entfernt werden können.

Schwierig sei gewesen, dass der Sprengsatz im Erdreich steckte - die Einsatzkräfte hätten sich zunächst herangraben müssen, sagte der Sprengmeister: „Wir haben einen Bagger genutzt und sie freigelegt. Dann wurde der Blindgänger vorsichtig angehoben.“ Leicht sei die Entschärfung trotz allem nicht gewesen - die Zünder hätten zerlegt und in Einzelteilen ausgebaut werden müssen. Wie oft man noch mit solchen Einsätzen rechnen müsse, sei unklar. „Es gibt Hochrechnungen, die besagen, dass in Berlin noch rund 4000 Blindgänger auf ihre Entschärfung warten“, so Polizeifeuerwerker Püpke.

Die Beamten hatten seit 9.30 Uhr per Lautsprecherwagen Anwohner auf Deutsch, Russisch und Türkisch dazu aufgerufen, die Wohnungen zu verlassen. Da auch ältere Menschen und mit dem Coronavirus-Infizierte in Sicherheit gebracht werden mussten, zog sich die Aktion etwas hin. 

„Die Menschen sollen sich eigenverantwortlich Örtlichkeiten für den Aufenthalt suchen. Sollte das wegen Corona und den Kontaktbeschränkunge nicht klappen, stehen drei Hotels für die Menschen zur Verfügung“, hatte eine Sprecherin der Polizei am Samstagmorgen der Berliner Zeitung gesagt. Alternativ standen Notunterkünfte beispielsweise in Kirchen bereit.

„Dramatisch war die Evakuierung nicht. Es ist auch nicht das erste Mal“, sagte Anwohner Wolfgang Hackert (80), der seit zehn Jahren in einem Haus unmittelbar neben dem Fundort der Bombe lebt.  

Schon zweimal seien Sprengkörper auf einem Grundstück gegenüber entschärft worden. „Aber dieses Mal scheint es ja ein größerer Kaliber zu sein.“ Am Morgen sei er von den Durchsagen der Polizei geweckt worden - und habe sofort gewusst, was los ist. „Deshalb habe ich auch keine Angst gehabt“, sagte Hackert.

Foto: Eric Richard
Zahlreiche Helfer stehen für die Evakuierung bereit.

Wie die Verkehrsinformationszentrale am Samstag per Twitter mitteilte, sollte der Bereich um die Gitschiner Straße, das Waterloo-Ufer, die Lindenstraße, die Zossener Brücke, die Alte Jakobstraße und die Alexandrinenstraße weiträumig umfahren werden. Laut BVG wurden die Buslinien M41 und 248 umgeleitet. 

Die Bombe sei bei Bauarbeiten auf einem Hof des Patentamts gefunden worden, sagte ein Sprecher des Lagedienstes der Polizei am Abend. 

A