München - An einer Infektion mit sogenannten klassischen Borna-Viren sind in Bayern in diesem Jahr zwei weitere Menschen gestorben. „Dem LGL wurden für das Jahr 2020 zwei weitere Todesfälle übermittelt, die in Zusammenhang mit einer BoDV-1-Infektion stehen“, teilte das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit. Das berichtet die dpa.

Klassische Borna-Viren lösen eine Hirnentzündung aus, die fast immer tödlich endet. Jährlich werden im Schnitt zwei Infektionen in Deutschland bekannt. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer mit bis zu sechs Fällen pro Jahr deutlich höher liegt. Bayern gilt als Schwerpunkt bei den Infektionen. „Warum das so ist, wissen wir nicht“, sagt die Ärztin und Epidemiologin Kirsten Pörtner vom Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine Möglichkeit sei, dass man „in Bayern inzwischen mehr hinschaut und bei einer Hirnentzündung mit unbekannter Ursache inzwischen eher auf das Virus testet“. Für eine am Dienstag vorgestellte Studie über das gefährliche Virus hat Pörtner die Angehörigen von acht an dem Virus verstorbenen Patienten befragt. Das Ergebnis: Alle lebten auf dem Land, sieben von acht hatten eine Katze.

RKI-Medizinerin: „Die Katzen selbst waren unauffällig“

Einziger bekannter Reservoirwirt des Erregers ist bislang zwar die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon), bei der die Infektion keine schweren Symptome verursacht. Die Spitzmäuse scheiden das Virus in Urin, Kot und Speichel aus, so können sich dann andere Säugetiere und in seltenen Fällen auch Menschen anstecken. Die RKI-Medizinerin weiter: „Möglicherweise bringen Katzen durch ihr Jagdverhalten ihre Besitzer mit Spitzmäusen und dem Virus in Kontakt. Die Katzen selbst waren unauffällig.“

Anfang des Jahres war durch eine im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichte Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und der Universität Regensburg bekannt geworden, dass in den vergangenen Jahren weit mehr Menschen an einer Infektion mit dem klassischen Borna-Virus gestorben sind als bisher bekannt.

Der Erreger sei in Bayern in aufbewahrten Hirnproben gestorbener Patienten nachgewiesen worden, berichteten Forscher. Insgesamt starben demnach zwischen 1995 und 2019 mindestens 14 Menschen nachweislich an der Gehirnentzündung durch das klassische Borna-Virus. In welchem Ausmaß das Virus insgesamt hinter Hirnentzündungen mit unbekannter Ursache stecken könnte, ist bislang unklar.

Dass sich Nutztiere wie Pferde und Schafe mit der Bornaschen Krankheit anstecken und daran sterben können, ist schon wesentlich länger bekannt. BoDV-1 kommt in Deutschland in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und angrenzenden Teilen benachbarter Bundesländer vor. Fälle von Bornascher Krankheit bei Tieren gibt es zudem auch in Teilen Österreichs, der Schweiz und Liechtenstein.