Er gehörte zu den besten deutschen Boxern und stand sogar mit „dem Größten“ seines Metiers im Ring. Am Samstag ist der ehemalige Europameister Jürgen Blin in Hamburg nach kurzer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben. Das bestätigte Sohn Jörg Blin, der seinen Vater kurz zuvor noch im Krankenhaus in Reinbek besucht hatte, der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Blin hinterlässt zwei Söhne und seine Lebensgefährtin.

Blins größter Erfolg war der Gewinn der Schwergewichts-Europameisterschaft gegen den Spanier Jose Manuel Urtain im Juni 1972. Als sein bekanntester Kampf ging das Duell mit Box-Ikone Muhammad Ali in die Annalen ein. Blin verlor die Auseinandersetzung im Dezember 1971 in Zürich durch K.o. in der siebten Runde. „Das war der einzige Kampf, von dem ich vorher wusste: Den kannst du nicht gewinnen“, hatte der Hamburger später gesagt.

Ali-Kampf brachte Blin 180.000 D-Mark ein

Der Ali-Kampf hatte ihm für damalige Verhältnisse eine große Börse von 180.000 D-Mark eingebracht. „Das war richtig viel Geld“, sagte Blin, der die ersten Jahre seines Lebens in schwierigen Verhältnissen gelebt hatte. Sein Vater sei Alkoholiker gewesen, habe ihn geschlagen, berichtete Blin einst. Mit 15 Jahren hatte er sein Elternhaus verlassen.

Mit dem Boxen kam er erstmals parallel zur Ausbildung als Fleischer in Berührung. Er schaffte es bei den Amateuren zum deutschen Meistertitel, wechselte zu den Profis und sicherte sich auch dort den nationalen Titel. In der Hamburger Ernst-Merck-Halle, die später den Messehallen weichen musste, kamen bis zu 6000 Zuschauer zu seinen Kämpfen. Er sei kein Talent im Ring gewesen, meinte der in Burg auf Fehmarn geborene Sohn eines Melkers einst, aber er habe sich alles hart erarbeitet.

Jürgen Blin: „Ich wollte raus aus dem Dreck“

„Aber Gürtel und Medaillen waren mir nicht wichtig. Ich wollte lieber Moneten. Ich wollte raus aus dem Dreck“, bekannte Blin. Mit den Einnahmen aus den Kämpfen baute er sich eine Existenz auf. Er übernahm später mehrere Kneipen und Imbisse in Hamburg.

Dem Sport blieb er treu. Zum einen trainierte der einstige Profi, der von 48 Kämpfen bei zwölf Niederlagen und sechs Unentschieden 30 gewonnen hatte, bis zum Schluss Nachwuchsboxer. Zum anderen wollte er auch im hohen Alter fit sein. So joggte er nahezu täglich am Rande Hamburgs, wo er lebte, fünf Kilometer und mehr.