Berlin - Die Polizei hat in Berlin-Tiergarten einen Mann festgenommen, der das Zelt eines Obdachlosen anzünden wollte. Da die Staatsanwaltschaft bei dem Brandanschlag von einem versuchten Tötungsdelikt ausgeht, hat eine Mordkommission die Ermittlungen übernommen. Die Polizei prüft nun Zusammenhänge zu weiteren Vorfällen, bei denen zuletzt Schlafplätze von Obdachlosen in Brand gesetzt wurden.

Die jüngste Tat ereignete sich nach Angaben der Polizei am Sonntagvormittag um 10.30 Uhr. Dank eines aufmerksamen Passanten konnte Schlimmeres verhindert werden, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der 42-jährige Fußgänger hatte unter einem Stadtbahnbogen am Tiergartenufer einen Mann beobachtet, der mehrmals zu einem Zelt gegangen sei, um es in Brand zu stecken.

Als der Zeuge den verdächtigen Brandstifter laut ansprach, flüchtete dieser. Der 46 Jahre alte Obdachlose, der sich während des Angriffs in dem Zelt aufhielt, sei aufgrund des Einschreitens des Passanten nicht verletzt worden. Alarmierte Beamte einer Einsatzhundertschaft konnten den 36-jährigen Verdächtigen in der Tatortnähe festnehmen. Er soll noch am Montag einem Richter zum Erlass eines Unterbringungsbefehls vorgeführt werden, hieß es. Ob er für weitere Brandanschläge auf Obdachlose verantwortlich ist, war zunächst unklar. Dies sei Bestandteil der Ermittlungen, so eine Polizeisprecherin. 

Seit über zwei Wochen Brandanschläge auf Obdachlose 

Seit über zwei Wochen häufen sich Angriffe dieser Art in Berlin. Erst in der Nacht zu Sonnabend wurde das Zelt eines obdachlosen 60-Jährigen in Charlottenburg angezündet, während er darin lag. Eine Radfahrerin verhinderte Schlimmeres, als sie unter der S-Bahn-Brücke an der Straße des 17. Juni die auflodernden Flammen sah und die Feuerwehr alarmierte.

Der Obdachlose erzählte den ermittelnden Polizisten später, dass er gerade einschlafen wollte, als er ein zischendes Geräusch hörte, ähnlich dem eines Feuerzeuges. Kurz darauf habe er Rauch gerochen. Er habe sich daraufhin sein Schlafzubehör und seine persönlichen Sachen gegriffen und das Zelt verlassen. 

Jugendliche greifen Obdachlose in Neukölln an

Ende Januar sollen drei Jugendliche beziehungsweise Heranwachsende einen Obdachlosen in Neukölln angegriffen haben. Nach Angaben der Polizei hatten sie das 59-jährige Opfer in einem Park an der Gutschmidtstraße in Britz gewaltsam aus seinem Zelt getrieben. Anschließend sollen sie mit Stöcken auf den wehrlosen Mann eingeschlagen und ihn mehrmals getreten haben.

Als er daraufhin weglief, sollen die jungen Täter seinen Schlafplatz angezündet haben. Trotz der Löschversuche alarmierter Feuerwehrleute brannte das Zelt samt aller Habseligkeiten des Mannes vollständig nieder. Nur zwei Stunden später zündeten Unbekannte ein weiteres Zelt eines Obdachlosen in der Nähe an. 

Immer mehr Angriffe auf Wohnungslose in Berlin 

Immer mehr Obdachlose werden in Berlin Opfer von Gewalt. 2018 zählte die Polizei 328 Angriffe auf wohnungslose Menschen. Im Jahr zuvor hatte die Polizei lediglich insgesamt 272 solcher Delikte erfasst. Die Zahlen steigen seit Jahren kontinuierlich an. Im Jahr 2014 hatte die Behörde nur 110 Gewaltdelikte gegen Wohnungslose gezählt.