Berlin - Eine Unterkunft in Berlin-Reinickendorf für Frauen mit psychischen Erkrankungen wird Ende März schließen müssen. Nach Angaben des Trägers ist die Kriseneinrichtung am Oraniendamm die einzige für betroffene Frauen mit psychischen Leiden in Berlin. Insgesamt 16 Plätze stehen in dem Haus, das ähnlich wie ein Frauenhaus arbeitet, im Ortsteil Waidmannslust zur Verfügung. Der Träger Bürgerhilfe Kultur des Helfens gGmbH hat einen Brandbrief verfasst, der an alle Mitglieder, Ausschüsse und Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus ging. Das Schreiben liegt ebenso der Berliner Zeitung vor.  

Grund für die Schließung sind nicht nur die mangelnde Belegung, sondern auch die fehlende Finanzierung von Senat und Bezirk. Anstatt schnell zu handeln, würden Zuständigkeiten hin- und hergeschoben. Bürokratie erschwere die Hilfe. Letztendlich fehle am Ende das Geld.

Schwere Vorwürfe gegen Elke Breitenbach

Der Träger macht Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) schwere Vorwürfe. Im verzweifelten Ton heißt es in dem Brief: „Seit spätestens 2018 haben wir dem Land Berlin, insbesondere der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Soziales – mehrfach alternative Finanzierungsmodelle vorgelegt, deren Vorteile für alle Beteiligten hervorgehoben und aufgezeigt, dass Bereich Soziales und der Bereich Gesundheit, ggf. sogar unter Beteiligung des Bereiches Jugend, für die betroffenen Frauen eine gemeinsame Lösung finden sollten. Leider hat das Land Berlin nicht reagiert.“

Jetzt steht ein Termin für die Schließung fest: 31. März 2022. In dem Schreiben kündigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die Schließung nicht einfach hinzunehmen. Man werde öffentlichkeitswirksam auf sich aufmerksam machen und sich wehren.  

Die Berliner Abgeordnete Maren Jasper-Winter (FDP) verfolgt den Fall. Sie sagt:„ Seit Jahren kennt die Koalition das Problem der einzigen Krisen- und Clearingeinrichtung für Frauen, ihr Angebot trotz hoher Nachfrage kostendeckend aufrechtzuerhalten, und verspricht im Koalitionsvertrag die Sicherung. Leider ist das zu wenig und zu spät, denn die betreffende Kriseneinrichtung wird voraussichtlich Ende März schließen müssen. Der Senat darf das Problem nicht weiter ignorieren, sondern muss sofort handeln.“