Neuruppin - Erneut haben mehrere Menschen in Neuruppin versucht, mit gefälschten Impfausweisen an ein digitales Impfzertifikat zu kommen. Ein Apotheker habe den Betrug bemerkt und die Polizei alarmiert. Wie die Brandenburger Polizei am Dienstag mitteilte, habe sich unter anderem eine 48-Jährige am vergangenen Donnerstag ein Zertifikat mit einem gefälschten Impfausweis ausstellen lassen. Als eine Überprüfung ergab, dass das Dokument gefälscht war, flog der Schwindel wenige Tage später auf.

Eine noch unbekannte Seniorin, die am selben Tag für einen 38-Jährigen und eine 37-Jährige Zertifikate erschleichen wollen, sei erfolglos geblieben. Der Apotheker bemerkte Unregelmäßigkeiten in den Impfausweisen und wies die Rentnerin ab, erklärte ein Polizeisprecher. Ermittlungen ergaben, dass die angegebene Ärztin die Covid-19-Impfungen nicht verabreicht hatte. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Urkundenfälschung.

Erst vergangene Woche hatte eine Apotheke in der Neuruppiner Junckerstraße mehrere ähnliche Vorfälle gemeldet. Nach Angaben der Polizei ist es in den Bereichen Oberhavel, Prignitz und Prignitz-Ruppin in jüngster Zeit mehrmals zu solchen Betrugsversuchen gekommen.

Gefälschte Impfpässe: Polizei fordert Einblicke in die RKI-Datenbank

Polizeivertreter hatten bereits vor fünf Monaten vor gefälschten Impfpässen gewarnt und deshalb Zugang zu den Impfdaten des Robert-Koch-Instituts gefordert. „Das Problem besteht schon heute und wird noch eine ganze Weile aktuell bleiben, da mit einer vollständigen Impfung eine Befreiung von Grundrechtseinschränkungen oder perspektivisch zunehmend auch Ein- oder Ausreisevorteile verbunden sein werden“, sagte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, dem Handelsblatt.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, forderte deshalb, Polizisten, Grenzbeamten und kommunalen Ordnungskräften Zugriff auf die Impf-Datenbank des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu gewähren. Bislang würden diese Daten nur anonymisiert von den Impfstellen gemeldet, das sollte sich jetzt ändern, hieß es im Mai. „Die Daten müssten dem RKI komplett, also mit Namen, Personaldaten und Impfdatum übermittelt und dort auch abrufbar gespeichert werden.“