Potsdam - Zum ersten Mal ist auch in Brandenburg die zunächst in Großbritannien entdeckte Mutation des Coronavirus nachgewiesen worden. Die Variante B.1.1.7 sei bei einem Mann aus dem Landkreis Spree-Neiße festgestellt worden, der seit Dienstag in Isolation sei, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Das habe ein Labor am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus nachgewiesen.

Die zunächst in Großbritannien nachgewiesene Virusvariante ist Experten zufolge leichter übertragbar und womöglich auch tödlicher als die bislang vorherrschende. In mehreren Bundesländern wurden bereits Fälle nachgewiesen. In Berlin war die ansteckende Variante beim Berliner Krankenhauskonzern Vivantes ausgebrochen. Es gibt weitere Mutationen aus Südafrika und Brasilien.

Für Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) ist wichtig, dass sich die Mutation in Brandenburg nicht ausbreitet. „Jetzt kommt es darauf an, dass alle Kontakte der infizierten Person so schnell wie möglich ermittelt werden und umgehend in Quarantäne kommen“, teilte sie mit. „Die vor allem in England verbreitete Corona-Variante B.1.1.7 ist nach aktuellem Erkenntnisstand deutlich ansteckender.“ Das gefährde die Erfolge bei der Eindämmung des Coronavirus, die sich langsam einstellten. Sie zeigte sich aber nicht überrascht: „Es war nur eine Frage der Zeit, bis die britische oder südafrikanische Corona-Mutante auch in Brandenburg nachgewiesen wird.“

Der Landrat des Kreises Spree-Neiße, Harald Altekrüger (CDU), bat die Bevölkerung, besonnen zu reagieren. „Unser Gesundheitsamt hat sofort die Kontaktnachverfolgung aufgenommen und wird unverzüglich alle Kontaktpersonen testen und isolieren“, sagte er laut der gemeinsamen Mitteilung der Landesregierung, des Kreises und des Klinikums.

Seit Anfang dieser Woche werden am Carl-Thiem-Klinikum Nachweise der britischen Virusvariante geprüft. Bisher seien 73 Sars-CoV-2-Proben darauf untersucht worden. In etwa zwei Wochen werde das Referenzlabor am Klinikum „in größerem Maßstab“ Proben aus ganz Brandenburg auf mögliche Mutationen des Sars-CoV-2-Virus analysieren können.

Die Impfungen in Brandenburg gehen voran – aber bei den zweiten Impfungen hinkt das Land im bundesweiten Vergleich hinterher, vor allem in Pflegeheimen. Bis Mittwoch erhielten 4978 Menschen eine zweite Impfung, damit liegt Brandenburg auf dem 14. Platz der 16 Länder, wie aus Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Donnerstag hervorgeht. Vorn rangiert Bayern mit 90.355 Zweitimpfungen. Unter den Zweitimpfungen in Brandenburg sind nur 21 Pflegeheimbewohner.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste in Brandenburg warf Nonnemacher vor, für die Impfzentren Impfstoff aus Pflegeheimen abzuziehen. „Bewohnerinnen und Bewohner müssen auf den lebenswichtigen Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung warten“, sagte die Landesvorsitzende Ellen Fährmann laut einer Mitteilung. Sie sprach von einer „PR-Show mit Impfzentren“.

Die Ministerin wies die Kritik zurück. „Die Impfungen von Bewohnerinnen und Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen haben in Brandenburg weiter die höchste Priorität“, sagte sie. „Die meisten stationären Pflegeeinrichtungen haben bereits ihre Impftermine vereinbart.“ Die Impfungen in den Einrichtungen seien jedoch mit die am aufwendigsten. „Hier braucht man deutlich mehr Zeit.“

Bei den Erstimpfungen liegt Brandenburg besser – nämlich auf dem zehnten Platz. Die Impfungen in Brandenburg waren erst schleppend angelaufen, danach ging es deutlich voran. Wegen der Lieferverzögerung mussten aber erst Tausende Termine für die erste Impfung zunächst abgesagt werden, dann wurde der Zeitraum zwischen der ersten und der zweiten Impfung von drei auf vier Wochen verlängert. Die Impfzentren, die zunächst vor allem für über 80-Jährige und Medizinpersonal vorgesehen sind, gehen weiter an den Start. Am Donnerstag öffnete in Prenzlau das neunte Zentrum.