Potsdam - Brandenburg will die Möglichkeiten für Tierhalter bei Problemen mit Wölfen erweitern. Umweltminister Axel Vogel (Grüne) will die Wolfsverordnung ändern, um in Gebieten mit überdurchschnittlich vielen Rissen durch Wölfe besser darauf reagieren zu können, teilte das Umweltministerium am Mittwoch mit. Brandenburg ist eines der wolfsreichsten Bundesländer.

Der Begriff ernster landwirtschaftlicher Schäden wird neu eingeführt, um auch Schäden bei Hobby-Nutztierhaltungen aufnehmen zu können. Das Nachstellen und Töten mit Schusswaffe ist bisher nur dann erlaubt, wenn Wölfe trotz Schutzmaßnahmen für die Herde innerhalb von vier Wochen mindestens zweimal in einem Gebiet Weidetiere gerissen, verletzt oder zum Ausbrechen veranlasst haben. Die Fälle gerissener Rinder und Pferde werden – sofern die Herde nicht geschützt werden kann – neu in die Verordnung aufgenommen.

Wenn ein Wolf deutlich mehr Tiere reißt als üblich, kann er unter Umständen abgeschossen werden

Künftig sollen die Ausnahmen vom Schutz auch für Wölfe gelten, die in ihrem Territorium und auch in angrenzenden Gebieten über mindestens ein halbes Jahr deutlich mehr Weidetiere gerissen haben als im Durchschnitt in den Wolfsgebieten des Landes. Das Umweltministerium stellte den Entwurf am Mittwoch den Landnutzungs- und Naturschutzverbänden vor. Mit der Novellierung würden Änderungen im Bundesrecht umgesetzt, außerdem reagiere das Land auf die bisherigen Erfahrungen mit Rissen, sagte Umweltminister Axel Vogel (Grüne).

Der Wolf ist geschützt. Das Recht erlaubt es aber, unter bestimmten Bedingungen Wölfe zu töten. Das Landesamt für Umwelt muss jedoch die Einzelfälle sorgfältig prüfen und es darf keine zumutbare Alternative zum Abschuss bestehen. Außerdem sieht das Bundesnaturschutzrecht vor, dass solche Wölfe zunächst genetisch identifiziert werden. Um ernste wirtschaftliche Schäden abzuwenden, die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen, im Interesse der Gesundheit des Menschen und zur Forschung erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz Ausnahmen.

Brandenburg: Fast 50 Wolfsrudel im letzten Jahr

In Brandenburg siedeln sich nach Einschätzung des Umweltministeriums immer mehr Wölfe an. Sie kommen vor allem im Süden vor. Im Wolfsjahr 2020/2021 gab es demnach 49 Rudel und acht Paare, bei neun Fällen war der Status unklar. Im Jahr 2021 zahlte das Land zum Ausgleich von Schäden 187.000 Euro Beihilfen für gerissene Nutztiere, wo der Wolf als Verursacher feststand oder galt. In drei von vier Fällen waren die Herden nicht gegen Übergriffe durch Wölfe geschützt.

Über den Umgang mit Wölfen wird kontrovers diskutiert. Der Deutsche Jagdverband (DJV) spricht sich unter anderem für eine Lockerung beim Schutzstatus des Wolfes aus.