Potsdam - Die Hotline zur Terminvergabe für Corona-Impfungen ist in Brandenburg zum Auftakt völlig überlastet gewesen. Die Kassenärztliche Vereinigung sprach am Montag davon, dass allein am Vormittag über 10.000 Anrufe unter der Rufnummer 116 117 im dafür eingerichteten Call-Center eingingen. „Wir sind überrannt worden“, sagte der Vize-Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Holger Rostek, am Montag in Potsdam. Er bat darum, dass nur über 80-Jährige anrufen sollten. Denn: „Die Mehrzahl der Anrufer hatte Fragen oder war nicht impfberechtigt.“ Die Termine würden – abgesehen von dieser Woche – immer nur eine Woche vor dem Start des jeweiligen Impfzentrums vergeben.

An diesem Dienstag (5. Januar) nehmen die Impfzentren in Potsdam und Cottbus den Betrieb auf. In Schönefeld soll es am Montag nächster Woche (11. Januar) losgehen. Zum Impfen sollen Ausweis und Impfpass mitgebracht werden. In Potsdam und Cottbus ist geplant, mit drei Arztteams zu beginnen, geplant sind zunächst Impfungen von 200 Patienten am Tag, später mehr. Bis Anfang Februar sollen elf Impfzentren im Land stehen – außer in Potsdam, Cottbus und Schönefeld noch in Elsterwerda, Frankfurt/Oder, Oranienburg, Eberswalde, Brandenburg/Havel, Prenzlau sowie Anfang Februar in Kyritz und Luckenwalde. Parallel laufen Impfungen für Bewohner und Personal in Pflegeheimen sowie für medizinisches Personal.

Die Anrufer brauchen Geduld

Bei der Einwahl in die Hotline habe es zunächst auch technische Probleme gegeben, sagte der KV-Vize-Vorstand. Danach habe die Einwahl wieder funktioniert. Aber die Anrufer brauchten Geduld. Die Wartezeit bezifferte Rostek am frühen Montagnachmittag auf eine halbe bis eine Stunde. Er stellte eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl von derzeit 150 im Call-Center in Aussicht. „Da sind wir gerade dran.“ Falls es weiter technische Probleme gebe, werde auch eine alternative Telefonnummer bekanntgegeben. Für knapp 400 Menschen seien bereits Termine vereinbart worden – je zwei Termine sind pro Person nötig.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) räumte ein, dass der Impfstart erst nach und nach anläuft. Bisher seien 3309 Menschen im Land geimpft worden, sagte sie dem RBB-Inforadio am Montag. „Das ist jetzt noch nicht wahnsinnig viel.“ Nun gehe es aber mit Verve los. „Ich bin sehr optimistisch, dass sich im Laufe des Januars dort die Mengen deutlich steigern werden, wenn wir dann auch Zulassungen von weiteren Impfstoffen haben, die nicht mehr so anspruchsvoll sind, was Tiefkühlung, Lagerung und Zubereitung angeht.“

Die Linksfraktion forderte praktikable Lösungen für Hochbetagte. Die Betroffenen sollten per Post informiert werden. Wer nicht mobil sei, müsse zum Impfzentrum gebracht werden, verlangte Gesundheitspolitiker Ronny Kretschmer. KV-Vize-Vorstand Rostek sagte, es wäre schwierig, welche Personengruppen dann angeschrieben werden sollten. Wegen der Transportfrage sei die KV im Gespräch mit Kommunen.

Die Zahl neuer Corona-Ansteckungen in Brandenburg sank erstmals seit Ende November unter 300 innerhalb eines Tages. Das Gesundheitsministerium meldete am Montag 296 neue Infektionsfälle, allerdings lagen von vier Kreisen und aus Cottbus zunächst keine neuen Daten vor. Vor einer Woche wurden 408 bestätigte neue Infektionen gezählt. Corona-Schwerpunkt ist weiter der Landkreis Elbe-Elster mit einem Wert von rund 441 neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche.