Potsdam - Nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Schorfheide am Werbellinsee (Barnim) mit elf Toten hat die Brandenburger Landesregierung eine erweiterte Testpflicht für ungeimpfte Mitarbeiter in Pflegeheimen beschlossen. Das Kabinett habe bei der Fortschreibung der Corona-Umgangsverordnung festgelegt, dass sich in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 nicht geimpfte oder nicht genesene Beschäftigte an jedem Tag testen lassen müssen, teilte die Staatskanzlei am Dienstag mit. Dies gelte unabhängig von der Inzidenz auch bei akuten Corona-Ausbrüchen.

„Jetzt müssen wir besonders vulnerable Personengruppen wie Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen und Hochaltrige schützen“, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). „Sie haben ein besonders hohes Risiko für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe.“ Deswegen werde die Testpflicht im Pflegebereich ausgeweitet.

Corona-Ausbruch in Pflegeheim: 44 Bewohner und 15 Mitarbeiter erkrankt

Der Landkreis Barnim hat unterdessen die Zahl der Toten nach dem Corona-Ausbruch am Dienstag richtiggestellt. Es seien weiterhin elf Tote, sagte Sprecher Robert Bachmann. Nonnemacher hatte am Montagabend in der rbb-Sendung „Brandenburg Aktuell“ von 14 Toten gesprochen. Wie es zu dem Missverständnis kam, blieb zunächst offen.

Aktuell sind 44 Bewohner und 15 Mitarbeitende der Einrichtung im Ortsteil Altenhof an Covid-19 erkrankt. Die meisten der Gestorbenen seien über 80 Jahre alt gewesen, alle hätten Vorerkrankungen gehabt, berichtete Bachmann. Seinen Angaben zufolge liegt laut Amtsärztin Heike Zander die Impfquote der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtung bei lediglich etwa 50 Prozent. In der Einrichtung werden seit Bekanntwerden des Ausbruchs Pflegekräfte täglich auf das Virus getestet, sagte Bachmann.

Die oppositionelle Linksfraktion im Landtag hatte sich am Dienstag ebenfalls für tägliche Tests der Arbeitskräfte in Pflegeheimen ausgesprochen. Zudem müssten die weiteren an Covid-19 erkrankten Menschen in dem Heim besser versorgt werden, forderte Fraktionschef Sebastian Walter. „Die Heimaufsicht muss gemeinsam mit den Gesundheitsämtern dafür sorgen, dass die Erkrankten in Krankenhäuser kommen“, forderte er. Bachmann erwiderte auf dpa-Nachfrage, dass es jedem Bewohner frei stehe, ins Krankenhaus zu kommen. Die Entscheidung träfen die Hausärzte der Bewohner.

Eugen Brysch: Auch Geimpfte können das Virus in sich tragen

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte, tägliche Testungen des Personals in der ambulanten und stationären Pflege seien überfällig, aber nicht ausreichend. „Weil auch Geimpfte das Virus in sich tragen und weitergeben können.“ Daher seien tägliche Testungen bei allen Pflegebedürftigen, Mitarbeitern und Besuchern notwendig, sagte Brysch der dpa.

In Landkreisen und kreisfreien Städten mit weniger als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen müssen sich Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen und Kliniken künftig an drei statt wie bisher zwei Tagen pro Woche testen lassen. Davon abweichend sind bei einem speziellen Hygienekonzept in Krankenhäusern auch nur zwei Tests pro Woche möglich, wie es in der neuen Umgangsverordnung heißt.