Potsdam/Dresden - Die erhöhte Sterblichkeit infolge der Corona-Pandemie hat nicht zur Überlastung der Bestatter in Brandenburg geführt. Mittlerweile habe sich die Lage weitgehend wieder auf das übliche Maß an Aufträgen eingependelt, sagte der Sprecher der Bestatterinnung Berlin-Brandenburg, Fabian Lenzen, in einer dpa-Umfrage. „Zwar wurde von vielen Seiten ein erhöhtes Arbeitsaufkommen um den Jahreswechsel wahrgenommen, es wurde aber ebenso stets versichert, dass es keine Probleme mit der Erbringung der geforderten Leistungen gab.“

Zu Problemen kommt es auch in Potsdam nicht. Im Krematorium der Landeshauptstadt werden 180 Kühlstellplätze für Särge zur Einäscherung vorgehalten, wie Stadtsprecherin Christine Homann informiert. Außerdem gebe es noch ausreichend Nebengelass, wo Särge fachgerecht und pietätvoll aufbewahrt werden könnten. Da kontinuierlich mit zwei voneinander unabhängigen Strecken eingeäschert werde, sei auch ein stetiger Abbau zu verzeichnen. „Es sind daher nach derzeitiger Einschätzung keine Engpässe im Bereich der Kühlkapazität zu erwarten“, sagt die Sprecherin.

Wartezeit auf eine Bestattung immer noch hoch

Allerdings hatten sich zum Jahreswechsel die Wartezeiten bis zur Beisetzung auf bis zu vier Wochen gegenüber „normalen Bedingungen“ verdoppelt. „Diese Fristen liegen aber nicht nur an der Auslastung des Krematoriums oder der Friedhofsverwaltung, hierbei muss die gesamte Terminkette zur Abwicklung eines Sterbefalls betrachtet werden“, erklärt Christine Homann. Weil die Teilnehmerzahlen bei Beisetzungen derzeit begrenzt seien, würden sich zudem einige Hinterbliebene dafür entscheiden, die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung der Urne auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

In Cottbus dauert die Kremierung derzeit bis zu vier Wochen, wie Stadtsprecher Jan Gloßmann mitteilt. Die Stadt hatte für die Monate Dezember 2020 und Januar 2021 eine erhöhte Sterblichkeit registriert. So habe der Januar den des Vorjahres mit insgesamt 184 Todesfällen um 50 übertroffen. „Derzeit kann die Übersterblichkeit nur auf einen direkten oder indirekten Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion zurückgeführt werden“, sagt Jan Gloßmann.

In Frankfurt (Oder) hat es im Februar 2021 zwar 15 Bestattungen mehr als im Februar 2020 gegeben, von einer Übersterblichkeit im Zusammenhang mit der Pandemie will die Friedhofsverwaltung aber nicht sprechen. „Das Grünflächenamt hat zudem keine Kenntnis darüber, welcher Todesfall aufgrund von Corona entstanden ist“, erklärt Stadtsprecherin Kora Kutschbach. In Frankfurt gebe es keine Schwierigkeiten bei der Lagerung von Särgen oder bei der Vergabe von Beisetzungsterminen, trotz deutlich erhöhter Sterblichkeit zum Jahresbeginn.

Von Platzproblemen auf Friedhöfen wird ebenfalls nicht berichtet. „Hiervon ist auch an sich nicht auszugehen, da durch die in der Vergangenheit gestiegene Zahl an Feuerbestattungen und Urnengemeinschaftsanlagen die Friedhöfe tendenziell eher Überhangflächen als Platzmangel haben“, sagt Fabian Lenzen. Ein kurzzeitiger, aber dennoch überschaubarer Anstieg der Sterbefälle dürfte da nach Auffassung des Innungssprechers vermutlich kaum eine Auswirkung auf das Flächenangebot der Friedhöfe haben.

Mit der sich abschwächenden Corona-Pandemie hat sich auch die Platznot in den Krematorien einiger sächsischer Städte vom Jahresbeginn ebenfalls wieder entspannt. Weil aber so viele Menschen in den vergangenen Wochen auch infolge der Pandemie gestorben sind, gibt es auf manchen Friedhöfen jetzt viele Bestattungen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei einigen sächsischen Kommunen ergab. Oft zögern jedoch Angehörige mit der Beisetzung, um später möglicherweise in größerem Kreis von ihren Verstorbenen Abschied nehmen zu können. In Sachsen gibt es laut Sozialministerium 1220 kirchliche und 500 kommunale Friedhöfe sowie neun Bestattungswälder.

Beerdigungen und Beisetzungen sind weiter nur im engsten Familienkreis mit bis zu zehn Trauergästen zulässig. Ein Mindestabstand von 1,5 Metern ist einzuhalten.

Im Dresdner Krematorium hat sich laut Stadt die Situation „wieder vorläufig entspannt“. Noch in der ersten Januarwoche mussten nach eigenen Angaben etwa doppelt so viele Verstorbene aufgenommen werden als zu der Jahreszeit sonst üblich – so viele wie nie zuvor. Von den mehr als 500 Verstorbenen konnte nur etwa jeder zweite in Dresden eingeäschert werden. Andere wurden zu Krematorien in Thüringen und Niedersachsen gebracht. Es gab nicht genügend Kühlhallen oder kühle Räume, um die vielen Toten aufzubewahren.

Jetzt hat die Zahl der Bestattungen laut einem Stadtsprecher „eher abgenommen, da die Sterblichkeit derzeit geringer ausfällt“. Die Zahl der Beisetzungen auf den Friedhöfen sei gleichbleibend, da zuvor manche Termine verschoben worden seien.

Zittau: Zahl der Einäscherungen wieder auf dem Normalniveau

Auch im Zittauer Krematorium in der Oberlausitz ist die Zahl der Einäscherungen im Februar „nahezu wieder auf Normalniveau angekommen“, nachdem sie von November 2020 bis Anfang vergangenen Monats „deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre“ lag, wie der Geschäftsführer der Städtischen Beteiligungs-GmbH Zittau, Matthias Hänsch, sagte. Zittau hatte bundesweit Aufsehen erregt, weil das Krematorium mit der Einäscherung von damals bis zu 70 Toten täglich nicht mehr hinterhergekommen war und nach Hallen gesucht hatte, um die Verstorbenen zwischenzulagern.

„In der Folge gibt es jetzt auf unserem Urnenhain auch mehr Beisetzungen“, sagte Hänsch. Einige Angehörige würden den Termin verschieben und auf Lockerungen warten, teilweise mehrere Monate. Aktuell seien die Termine „sehr gefüllt, weil wir die im Januar und Februar Verstorbenen beisetzen“. Termine an Freitagen oder Montagen seien oft schon zwei oder drei Wochen im Voraus ausgebucht. Er schätze, dass etwa jede dritte Beisetzung aus Gründen wie Quarantäne, Krankheit oder dem Hoffen auf den Wunschtermin verschoben werde.

Leipzigs Bestatter arbeiten wieder im Normalmodus

Im Krematorium Leipzig wurden nach Angaben der Stadt im Januar fast 550 Verstorbene eingeäschert. Das war fast das Doppelte vom Monatsdurchschnitt des Jahres 2020. Deshalb sei jetzt auch die Zahl der Beisetzungen höher, sagte ein Stadtsprecher. „Es wird aber auch von einem Teil der Angehörigen die Möglichkeit der späteren Beisetzung innerhalb von sechs Monate genutzt.“ Die Hoffnung: dann in einem größeren Kreis Abschied nehmen zu können.

Die Bestattungsunternehmen in Sachsen arbeiten laut dem Innungsobermeister der Landesinnung der Bestatter Sachsen, Tobias Wenzel, wieder „im normalen Modus“. Von November bis Anfang Januar seien diese hart an ihre Belastungsgrenze gekommen.

„Die Mitarbeiter der kirchlichen Friedhöfe in Sachsen berichteten nach wie vor von einer hohen Zahl an Trauerfeiern“, bestätigte die Sprecherin des Landeskirchenamtes der evangelischen Landeskirche Sachsens, Tabea Köbsch. Dennoch wird der Platz auf den sächsischen Friedhöfen nicht knapp. Grund ist der Trend zur Feuerbestattung.

„Die Friedhöfe wurden meistens für Sargbestattungen angelegt, die deutlich mehr Platz benötigten“, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Der Anteil klassischer Sargbestattungen sei jedoch bundesweit allein von 2004 bis 2019 von 39 Prozent auf 14 Prozent zurückgegangen.

In Leipzig hat die Zahl der Feuerbestattungen nach Angaben der Stadt seit den 1970er-Jahren immer mehr zugenommen und wird aktuell bei mehr als 90 Prozent aller Sterbefälle praktiziert. Für die Friedhöfe habe das den Vorteil, dass mehr naturbelassene Bereiche mit einem naturnahen Baumbestand angelegt werden können. Die Friedhöfe würden so in der Stadt gerade während der Pandemie zu einem willkommenen Rückzugsort, hieß es.