Potsdam - Brandenburgs Grünen-Fraktion sorgt sich um das Wohl der Puten in den Tierhaltungsbetrieben des Bundeslands. Die Vogelgrippe habe bereits mehr als 100.000 Tierleben in nur sechs Betriebsstätten gefordert, so der Fraktionsvorsitzende Benjamin Raschke. Informationen dazu habe er im Rahmen der Fragestunde des Landtagsplenums von der Regierung erhalten. „Ich mache mir große Sorgen, dass wir durch den Geflügelpesterreger in diesem Jahr noch mehr Tiere verlieren“, so Raschke am Sonntag. Die Betreiber großer Putenbetriebe trügen grundsätzlich große Verantwortung – aber in der jetzigen Lage noch größere.

Zehntausende Tiere starben zwischen Dezember und Februar 

Während des aktuellen Geflügelpestgeschehens der Jahre 2020/21 mussten in den verschiedenen Landkreisen immer wieder Zehntausende Tiere getötet werden. Nach einer Aufstellung, die Raschkes Mitteilung beigefügt ist, waren es 18.000 Mastenten am 22. Februar in der Uckermark, 16.600 Mastenten am 18. Februar in Märkisch-Oderland, 12.000 Puten am 17. Februar in der Prignitz, 29.000 Puten am 9. Februar in der Uckermark, 14.000 Mastputen am 3. Februar in der Uckermark, 16.000 Puten am 24. Januar in der Prignitz und rund 50 Tiere am 29. Dezember in einem Kleinbestand im Landkreis Spree-Neiße.

Tierschutz für Puten beruht auf freiwilligen Vereinbarungen

„Nicht nur, dass es anders als bei den meisten anderen Tierarten bei der Haltung von Puten an bundesrechtlichen Regelungen fehlt“, so Grünen-Fraktionschef Raschke. Wie viel Platz einer Pute im Stall zur Verfügung stehe, ob der Schnabel gekürzt werden dürfe oder nicht, all dies beruhe auf freiwilligen Vereinbarungen. Bei den meisten Übertragungswegen der Vogelgrippe sei der Mensch direkt oder indirekt beteiligt – und nicht etwa Wildvögel. „Die industrielle Tierhaltung begünstigt diese menschlichen Eintragungswege“, so Raschke. Dies habe auch die Geflügelpest 2016/17 gezeigt, als Betriebe mit über 56.000 gekeulten Tieren betroffen waren.

Vor diesem Hintergrund könne die Grünen-Fraktion nur an die Putenhalter in Brandenburg appellieren, alle erforderlichen Hygienemaßnahmen zu ergreifen.