Der Waldbrand nahe der Kleinstadt Treuenbrietzen in Brandenburg ist am Sonntagnachmittag erneut außer Kontrolle geraten. Löschhubschrauber der Bundespolizei und der Bundeswehr sind aktuell im Einsatz, um die Flammen zu löschen. Die Ortsteile Tiefenbrunnen, Frohnsdorf und Klausdorf mussten evakuiert werden – rund 600 Menschen waren betroffen. Auch das Krankenhaus in Treuenbrietzen bereitete Evakuierungen vor. Es wurde ein Besucherstopp verhängt.

Bewohner stellten Wasser ihrer Pools zur Verfügung

Die Menschen verließen ihre Häuser unaufgeregt, zügig und ohne Stress, mit Koffern und Taschen, mit Hunden und Katzen, wie die Sprecherin des Landkreises, Andrea Metzler, sagte. „Sie wissen ja wie es läuft, viele waren 2018 beim großen Waldbrand schon einmal in der Situation.“ Einige Bewohner stellten den Einsatzkräften ihre privaten Pools zur Verfügung: Mit Fahrzeugen wurde das Wasser abgepumpt und zum Löschen des Waldbrandes eingesetzt.

Die Stadt Treuenbrietzen mit insgesamt 7500 Einwohnern hat etwa ein Dutzend Ortsteile. Insgesamt breitet sie sich über eine Fläche von mehr als 200 Quadratkilometer aus. Zum Vergleich: Berlin hat knapp 900 Quadratkilometer. Der Brand, so dramatisch er war, bedrohte also nicht die gesamte Stadt.

Die Ortsmitte war am Sonntagnachmittag fast menschenleer, wie ein dpa-Reporter berichtete. In der Luft lag ein leichter Schmorgeruch. Am Kreisverkehr an der B102 war eine Polizeisperre aufgebaut. Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks fuhren mit Blaulicht durch den Ort. Ein blauer Wasserwerfer der Polizei war zur Unterstützung der Löscharbeiten angerückt. Die Feuerwehr war mit großen Löschwagen in Richtung der abgesperrten B102 unterwegs. Dahinter fuhr eine Kolonne des Deutschen Roten Kreuzes mit mehreren Transportern.

Treuenbrietzen: 200 Hektar Wald stehen in Flammen

Nachdem die Feuerwehren den Brand in Treuenbrietzen lange auf eine Fläche von rund 100 Hektar begrenzen konnten, hatten sich die Flammen am Sonntag wieder auf einer 200 Hektar großen Fläche ausgebreitet. Am Freitag war der Waldbrand auf etwa 60 Hektar entstanden, am Sonnabend waren es zwischenzeitlich noch gut 40 Hektar – dann hatte sich das Feuer wieder ausgebreitet.

Aus der Luft unterstützen mehrere Hubschrauber von Bundespolizei und Bundeswehr die Löscharbeiten. Die Bundeswehr war nach eigenen Angaben mit einem Transporthubschrauber des Typs CH53 im Einsatz.

Zu schaffen macht den Einsatzkräften neben der Hitze vor allem starker Wind. Die aktuellen Windverhältnisse hätten zu einer Ausweitung des Einsatzgebietes geführt, teilte die Stadt Treuenbrietzen am Sonntag mit. Das Brandgeschehen sei insgesamt „rasant“. Das Feuer habe sich auch über die gesperrte B 102 hinaus ausgedehnt, die die Feuerwehr seit Freitagmittag als Grenze gegen die Flammen verteidigt hatte.

Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel sagte am Sonntagabend, der Waldbrand bei Treuenbrietzen habe etwas eingegrenzt werden können. Genauere Angaben machte er nicht.

dpa/Christian Guttmann
Rot erleuchtet ist der Nachthimmel durch das Feuer eines Waldbrands in der Nähe der brandenburgischen Kleinstadt Treuenbrietzen.

Die Arbeit der Feuerwehrleute aus mehreren Landkreisen wird erschwert, da sich in dem Gebiet gefährliche Kampfmittel befinden. Nach Angaben der Feuerwehr kam es immer wieder zu kleineren Detonationen.

Waldbrand bei Beelitz: Straßenzüge evakuiert

Der zweite Waldbrand im Landkreis Potsdam-Mittelmark wütete bei Beelitz. Nach Angaben von Bürgermeister Bernhard Knuth hatte er sich bis zum frühen Abend auch dort auf 200 Hektar ausgebreitet - dieselbe Größenordnung wie bei Treuenbrietzen.

Einige Straßenzüge seien bereits evakuiert, sagte Knuth. Zudem seien Bewohner anderer Straßen aufgefordert worden, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. „Wir hoffen, dass die Ausbreitung zum Stoppen kommt und wir letztlich erfolgreich das Feuer bekämpfen können“, sagte Knuth, der keiner Partei angehört. Später ergänzte er, der Waldbrand sei unter Kontrolle. Bis in die Nacht müsse noch mit heftigen Windböen gerechnet werden, die das Feuer anfachen könnten. „Dann hoffen wir auf den erwarteten Regen“, sagte Knuth.

dpa/Joerg Carstensen
Eine massive Rauchwolke ist bis in den Süden Brandenburgs zu sehen.

Waldbrände sorgen für Störungen im Bahnverkehr

Die Waldbrände in Brandenburg sorgten auch für Störungen im Regionalbahnverkehr. Wegen des Feuers bei Beelitz fallen Züge zweier Linien bis Tagesende aus, wie die Deutsche Bahn am Sonntag auf ihrer Internetseite mitteilte. Betroffen sind demnach die Linie RE7 zwischen Beelitz-Heilstätten und Michendorf sowie die RB23 zwischen Potsdam-Hauptbahnhof und Michendorf. Auch Regionalbahnen der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) sind von Störungen wegen des Feuerweinsatzes gegen den Brand bei Treuenbrietzen betroffen, wie beim Fahrplan im Internet mitgeteilt wurde.