Berlin - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Brandenburg in die Höhe geschnellt. Innerhalb von einem Tag seien 514 neue Fälle registriert worden, meldete das Gesundheitsministerium am Mittwoch. Am Vortag waren es 128 und vor einer Woche 305 Neuinfektionen. 

Inzwischen liegen vier Landkreise und die Stadt Cottbus über der kritischen Marke von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von einer Woche. Ab diesem Wert sollen in den Regionen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Landesweit stieg die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich von 79,9 am Vortag auf 89,0. Es gab 20 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung.

Rücknahme der Lockerungen droht in Hotspots

Die höchste Inzidenz wird im Landkreis Elbe-Elster mit 198,4 verzeichnet. Ab einem Wert über 200 an drei aufeinanderfolgenden Tagen müssen in den Landkreisen die jüngsten Lockerungen zurückgenommen werden. Das betrifft unter anderem die Öffnungen von Einzelhandel und Museen unter Auflagen sowie den Wechselunterricht zwischen der Schule und zu Hause in den weiterführenden Schulen.

Die Zahl der aktuell Erkrankten stieg um 189 auf 3926. Davon werden 331 Patienten stationär in Krankenhäusern behandelt, darunter 87 auf Intensivstationen. Bislang wurden knapp 243.500 Brandenburger gegen das Coronavirus geimpft, davon gut 82.000 bereits zweimal.

Woidke verteidigt Vorgehen Brandenburgs bei Corona-Notbremse

Unterdessen hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) das Vorgehen seines Landes bei den vereinbarten Grenzwerten für die Corona-Notbremse verteidigt. „Brandenburg geht keinen Sonderweg“, sagte Woidke am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“. Stattdessen würden in dem Bundesland zwei Regelungen gleichzeitig gelten: Auf Landesebene greife die Notbremse weiterhin ab einem Inzidenzwert von 100, auf kommunaler Ebene bei 200. Das unterscheide Brandenburg nicht von anderen Ländern.

Die erste Regelung gelte auf Landesebene, sagte der Regierungschef. Bei einem landesweiten Inzidenzwert von 100 komme das Kabinett zusammen und beschließe weitere Maßnahmen. Die Notbremse bei einem Inzidenzwert von 200 betreffe hingegen die Kommunen, erklärte Woidke. Bei einer Inzidenz von 100 in ihrem Landkreis „sollen“ Landräte handeln, wohingegen sie bei einer Inzidenz von 200 handeln „müssen“.

Auf die Corona-Notbremse bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder geeinigt. Kritik an der Brandenburger Regelung gab es zuvor unter anderem von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD). Bund und Länder wollen am kommenden Montag über das weitere Vorgehen beraten.