Brandenburger Rabbiner: Antisemitische Flüchtlinge notfalls ausweisen

Ariel Kirzon wurde im September selbst Opfer eines antisemitischen Angriffs. Nun fordert er ein härteres Vorgehen durch den Staat. 

Ariel Kirzon, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Potsdam und Landesrabbiner von Brandenburg.
Ariel Kirzon, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Potsdam und Landesrabbiner von Brandenburg.dpa/Soeren Stache

Der Brandenburger Landesrabbiner Ariel Kirzon ist Mitte September an einem Berliner U-Bahnhof antisemitisch beleidigt worden. In einem Interview mit dem Focus fordert er nun ein härteres Vorgehen des Staats gegen antisemitische Attacken. 

Am 13. September wurde Kirzon am U-Bahnhof Westphalweg in Begleitung seines Sohnes antisemitisch beleidigt. Ein unbekannter Mann soll ihn als „schrecklicher Scheißjude“ beschimpft haben. Kirzon erstattete daraufhin Anzeige bei der Polizei wegen Beleidigung und Körperverletzung. 

Jüdische Gemeinde fühlt sich nicht mehr sicher

Der Rabbiner verweist darauf, dass Antisemitismus – offen und versteckt – in Deutschland praktisch an der Tagesordnung sei und „viele Fälle gar nicht gemeldet werden“. Die Justiz müsse Tätern empfindliche Geldstrafen auferlegen, so Kirzon. „Wenn sie sich davon nicht beeindrucken lassen, dann gibt es andere Arten von Strafen, schwerwiegendere“, sagt er.

Jeder Flüchtling, der nach Deutschland komme, müsse eine Verpflichtung unterschreiben. „Darin müsste stehen, dass antisemitische Taten schwer bestraft werden und zur Ausweisung aus Deutschland führen können,“ so Kirzon. Der Deutsche Staat solle so zeigen, dass er Antisemitismus ernst nehme.

Kirzon fordert zudem bessere Sicherheitsvorkehrungen für das Gemeindehaus in Potsdam. Die Polizei schütze die jüdische Gemeinde zu hohen Feiertagen – wie kürzlich Yom Kippur – doch dies reiche nicht aus.

Vor drei Jahren gab es am höchsten jüdischen Feiertag einen antisemitischen Anschlag auf eine Synagoge in Halle. Zwei Menschen wurden dabei getötet. 

Der antisemitische Übergriff auf ihren Rabbiner löste Verunsicherung bei der Gemeinde aus. „Wir fühlten uns in Potsdam relativ sicher – jetzt nicht mehr“, sagte der Vorsitzende Evgueni Kutikow Mitte September.