Frankreichs Premierminister Jean Castex hat wie erwartet seinen Rücktritt eingereicht. Er habe sein Rücktrittsschreiben am Montag Präsident Emmanuel Macron übergeben, teilte Castex der Nachrichtenagentur AFP mit. Kurz darauf ernannte Präsident Macron die bisherige Arbeitsministerin Élisabeth Borne am Montag zur neuen Premierministerin. Damit hat Frankreich erstmals seit 30 Jahren wieder eine Frau an der Spitze der Regierung.

Die 61-jährige Borne stand lange den Sozialisten nahe und schloss sich 2017 der von dem Liberalen Macron neu gegründeten Partei La République en Marche an. Die gebürtige Pariserin absolvierte eine Ingenieurhochschule und arbeitete viele Jahre in unterschiedlichen Ministerien sowie bei der Staatsbahn SNCF und den Pariser Verkehrsbetrieben. 2017 wurde sie zunächst beigeordnete Ministerin, 2019 dann Ministerin für ökologischen Wandel und 2020 Arbeitsministerin.

Borne folgt auf Premier Jean Castex, der mit seiner Regierung zuvor den Rücktritt eingereicht hatte. Der Schritt gilt in Frankreich als Formalie nach einer Präsidentenwahl. Macron war vor gut drei Wochen wiedergewählt worden. Erste und bisher einzige Premierministerin Frankreichs war Édith Cresson, die das Amt von Mai 1991 bis April 1992 innehatte.

Kabinettsumbildung in Frankreich: Zeichen für Neubeginn

Eine Kabinettsumbildung nach der Präsidentschaftswahl ist nicht vorgeschrieben, sondern lediglich eine Tradition. Macron will damit ein Zeichen für einen politischen Neubeginn mit Blick auf die Wahlen zur Nationalversammlung am 12. und 19. Juni setzen.

Nach den jüngsten Umfragen kann seine Regierungsmehrheit erneut mit der Mehrheit der 577 Sitze rechnen. Sie bekommt aber starke Konkurrenz vom neuen Wahlbündnis Nupes, das die Linkspopulisten von Jean-Luc Mélenchon, die Sozialisten und die Grünen zusammenschließt. Mélenchon, der bei der Präsidentschaftswahl mit 22 Prozent auf den dritten Platz gekommen war, hat mehrfach das Amt des Premierministers für sich eingefordert.

„Die Erwartung eines Wechsels ist sehr stark“, sagte Bernard Sananès, Chef des Meinungsforschungsinstituts Elabe der Nachrichtenagentur AFP. „Die Franzosen werden sehr darauf achten, ob er seine Wahlversprechen hält“, fügte er mit Blick auf Macron hinzu. Dieser hatte in der Vergangenheit schon öfter angekündigt, seinen von vielen Bürgern als arrogant und abgehoben empfundenen Politikstil zu ändern.