Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist offiziell für einen Sitz im Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Gazprom nominiert worden. Das teilte der Staatskonzern am Dienstag mit. Gerhard Schröder selbst hat nach eigenen Angaben allerdings schon vor längerer Zeit auf die Nominierung für den Aufsichtsrat verzichtet. Dies habe er dem Unternehmen auch mitgeteilt, teilte Schröder am Dienstagabend auf dem Online-Portal LinkedIn mit. Die Authentizität des Beitrags wurde der Deutschen Presse-Agentur aus seinem Umfeld bestätigt.

Erst am Freitag war bekannt geworden, dass sich der Altkanzler aus dem Aufsichtsrat des Ölkonzerns Rosneft zurückzieht. Schröder teilte Rosneft demnach mit, dass es ihm „unmöglich“ sei, sein Mandat weiter auszuüben.

Schröder wegen Russland-Tätigkeiten unter Druck

Schröder war infolge der russischen Invasion der Ukraine wegen seiner Tätigkeiten für russische Energieunternehmen in Deutschland und in der EU massiv unter Druck geraten. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte dem Altkanzler vergangene Woche sein staatlich finanziertes Büro samt Mitarbeiterstellen gestrichen. Das Europaparlament sprach sich zudem mit großer Mehrheit dafür aus, EU-Sanktionen gegen den Altkanzler zu verhängen.

Schröder pflegt seit Jahren enge Verbindungen zu Kreml-Chef Wladimir Putin. Der Altkanzler ist auch Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Nord Stream AG.

Gegen Schröder, der von 1998 bis 2005 Kanzler war, läuft in der SPD wegen der Russland-Verbindungen ein Parteiordnungsverfahren. Hierzu soll es am 15. Juni eine erste mündliche Anhörung geben. (mit dpa)