BerlinZwei Tage nach dem Raub vor dem Ikea-Möbelhaus in Tempelhof haben mehrere Täter am Donnerstagnachmittag erneut Geldboten in Berlin überfallen. Wie die Polizei auf Anfrage der Berliner Zeitung mitteilte, sollen die vermutlich maskierten Männer gegen 16 Uhr im Treptower Park Center zwei Sicherheitsmänner mit Pfefferspray attackiert haben. Anschließend sollen sie den Angestellten einen Geldkoffer entrissen haben. Die Räuber seien zu Fuß geflüchtet. Die Polizei geht von maximal drei Tatverdächtigen aus.

Woher das Geld stammt und um wie viel Geld es geht, war zunächst nicht bekannt. Die Geldboten sind Angestellte einer Neubrandenburger Sicherheitsfirma.

Überfall auf Geldboten im Park Center: 250 Polizisten vor Ort

Unklar war zunächst, ob die Täter sich noch im Gebäude befanden oder mit einem bereitgestellten Fluchtfahrzeug flüchteten. Ein Großaufgebot der Polizei und Beamte eines Spezialeinsatzkommandos stürmten in das Gebäude, um es systematisch abzusuchen. Menschen mit erhobenen Händen wurden unter Polizeischutz aus dem Gebäude geführt. Auch die Spezialeinheit der Bundespolizei, die GSG 9, war zur Unterstützung dazu geeilt. Zu Beginn des Einsatzes war nicht klar, ob die Räuber Geiseln genommen hatten, erklärte Polizeisprecher Michael Gassen. Dieser Verdacht habe sich jedoch nicht bestätigt, so der Sprecher zur Berliner Zeitung. 

Foto: Morris Pudwell
Unklar war zunächst, ob sich die Täter noch in dem Gebäude aufhalten.

Anfangs waren es etwa 70 Einsatzkräfte, im Laufe des frühen Abends traf weitere Verstärkung ein – 250 Beamte waren vor Ort. Die Polizisten durchsuchten am Abend das Gebäude Etage für Etage und überprüften dabei jeden Winkel. „Das Gebäude ist sehr groß und wir müssen sehr schnell alle Räume durchsuchen und die zahlreichen Kunden und Mitarbeiter in Sicherheit bringen. Dafür brauchen wir viele Einsatzkräfte“, erklärte Gassen zu Beginn des Einsatzes. Vor dem Center wurde der Polizei zufolge eine Zeugensammelstelle eingerichtet, so dass die Befragungen zum Tatgeschehen unmittelbar danach begannen. 

Aufgrund von Straßensperrungen kam es im Feierabendverkehr rund um das Einkaufszentrum zu massiven Verkehrsbehinderungen. 

Foto: Morris Pudwell
Mitarbeiter und Kunden werden mit erhobenen Händen aus dem Gebäude geführt.

Mehrere Überfälle auf Geldboten in diesem Jahr

Erst am Dienstagvormittag hatten drei bewaffnete Männer einem Geldboten vor dem Hinterausgang des Ikea-Möbelhauses in Tempelhof aufgelauert. Sie bedrohten den Wachmann mit Schusswaffen, der daraufhin die Geldkassette aushändigte. Darin soll sich eine sechsstellige Bargeldsumme befunden haben. Unklar war zunächst, ob der Behälter mit einer Farbpatrone gesichert war. Die Täter flüchteten in einem weißen Audi A 8. Trotz schnell eingeleiteter Fahndung und des Einsatzes eines Polizeihubschraubers konnten die Räuber bisher nicht gefasst werden. 

Ähnliche Fälle gab es in Berlin in diesem Jahr schon mehrere. So überfielen Räuber am 16. Juni einen Geldboten an einer Bank in der Detmolder Straße in Wilmersdorf. Die Täter sollen einen Geldkoffer mit einer halben Million Euro erbeutet haben.

Am 31. Juli begingen vier Räuber einen Überfall auf einen Geldboten an einer Postbank-Filiale am Hermannplatz in Neukölln. Sie versprühten Reizgas und versuchten, dem Mann Geld zu entreißen, flüchteten aber ohne Beute mit einem Auto.

Am 4. August gab es einen Überfall auf dieselbe Bankfiliale in Wilmersdorf wie im Juni. Diesmal rammten die Täter mit einem Wagen ein Fenstergitter und gelangten so in das Gebäude. Als ein Wachmann auftauchte, wurden mehrere Schüsse abgefeuert, der Mann wurde getroffen. Anschließend zündeten die Täter das Auto an und liefen zur nahe gelegenen Autobahn 100, wo ein Fluchtfahrzeug auf sie wartete.

Bislang sind in all diesen Fällen keine Täter gefasst worden. Die Polizei hat mehrfach auf unterschiedliche Vorgehensweisen bei den Taten hingewiesen, prüft jedoch auch mögliche Zusammenhänge. Außerdem ermittelt sie, ob Spuren oder Hinweise zu kriminellen Mitgliedern arabischstämmiger Clans führen, die in den vergangenen Jahren mehrfach Überfälle auf Geldtransporte und Kaufhäuser und Einbrüche in Banken verübten.