Rotterdam - In der niederländischen Stadt Rotterdam ist es am Freitagabend zu heftigen Krawallen gekommen. Tausende Menschen protestierten am Abend gegen die rigiden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. „Schon kurz nach 20 Uhr geriet die Demonstration außer Kontrolle“, sagt die Polizei Rotterdam. Einsatzkräfte wurden demnach mit Feuerwerkskörpern, Steinen, Flaschen, Straßenschildern und Absperrgittern angegriffen. Nach Medienberichten wurden Fahrzeuge der Polizei angezündet. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und bestätigte, dass auch mehrere Warnschüsse sowie gezielte Schüsse abgegeben wurden: „Im Zusammenhang mit den abgefeuerten Schüssen gibt es Verletzte.“ Am späten Abend kamen dann Gerüchte auf, dass angeblich zwei Menschen erschossen wurden. Die Polizei teilte dazu am späten Abend mit: „Wir sehen viele Fragen und auch Bilder über eine erschossene Person. Wie und von wem sie verletzt wurde, ist noch unklar.“

Auf einem Video, dass der Berliner Zeitung vorliegt, ist zu hören, wie es inmitten der Tumulte zu einem lauten Knall kommt, offenbar ein Schuss. Dann sieht man, wie ein Mann, wie von einem unsichtbaren Schlag getroffen, zwei Meter zurückgeschleudert wird. Er geht zu Boden und bleibt regungslos liegen. Als weitere Schussgeräusche zu hören sind, bricht Panik aus. Mehrere Personen eilen herbei und tragen den Mann mit einer stark blutenden Wunde am Bein davon. Dann bricht das Video ab.

Um 23.30 Uhr teilte die Polizei mit, die Lage sei „noch immer ungeklärt. Um die öffentliche Ordnung so schnell wie möglich wiederherzustellen, ist ein maximaler Einsatz der Polizei erforderlich. Eine Notverordnung ist noch in Kraft. Bleiben Sie auf und um den Coolsingel weg“. Der Coolsingel ist eine Hauptstraße im Zentrum von Rotterdam.

An verschiedenen Stellen in der Innenstadt kam es zu Brandstiftungen. Feuerwerkskörper seien abgefeuert und Beamte attackiert worden, teilte die Polizei in Rotterdam am Freitagabend mit. Mit einem Großaufgebot werde versucht, wieder Ordnung zu schaffen. Dabei komme auch die Bereitschaftspolizei zum Einsatz. Der Zugverkehr von und nach Rotterdam war wegen der Krawalle bis auf Weiteres eingestellt, der Bahnhof gesperrt, teilten die Niederländischen Eisenbahnen mit. Es gebe keine Ersatzbusse.

Polizei bestätigt Verletzungen in Zusammenhang mit abgefeuerten Schüssen

Die offenbar überraschte und zahlenmäßig weit unterlegene Polizei musste sich zunächst zurückziehen, nachdem mehrere Beamte zu Boden geprügelt wurden. Wie lokale Medien weiter berichten, ließen die Polizisten dabei mehrere Streifenwagen zurück, die daraufhin von den Demonstranten massiv beschädigt und in Brand gesteckt wurden. Auf Videos, die sich derzeit bei Twitter verbreiten, sind laute Detonationen zu hören und mehrere Feuer sowie brennende Polizeifahrzeuge zu sehen. Ebenfalls zu sehen sind Einsatzfahrzeuge der Polizei, die nach Attacken aus der wütenden Menge davonfahren.

Die Polizei sammele sich, ein Hubschrauber sei in der Luft und kreise über der Innenstadt von Rotterdam – die Lage vor Ort sei unübersichtlich, hieß es am späten Abend. Über die genaue Zahl der Demonstranten gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Beobachter sprechen von Tausenden Menschen. Laut Polizei gab es sieben Verletzte und 20 Festnahmen. Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb sprach von einer „Orgie der Gewalt“, Justizminister Ferd Grapperhaus von „extremer Gewalt gegen Polizei, Einsatzkräfte und Feuerwehrleute“. Der Minister kündigte am Samstag eine umfassende Untersuchung zu den Ereignissen an.