Nach dem Tod von zwei Geschwistern in der Innenstadt von Hanau hat die Polizei den gesuchten Tatverdächtigen in Frankreich festgenommen. Es handele sich um den Vater der Kinder, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hanau am Samstag.

Die Kinder waren am Mittwochmorgen gefunden worden. Passanten hatten die Polizei alarmiert, nachdem sie vor dem Hochhaus auf dem Boden den schwer verletzten Jungen entdeckt hatten. Beim Eintreffen der Beamten sei der Junge bereits nicht mehr ansprechbar gewesen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Auf dem Balkon einer Wohnung im neunten Stock fanden die Beamten dann das leblose Mädchen. Der Notarzt habe nur noch den Tod des Kindes feststellen können. Der Junge wurde ins Hanauer Stadtkrankenhaus gebracht, wo er kurz darauf seinen schweren Verletzungen erlag.

Tote Kinder in Hanau: Ermittlungen wegen Mordes

Bei den Kindern handelt es sich laut der Staatsanwaltschaft und der Polizei um Geschwister – das Mädchen war sieben Jahre alt, der Junge elf. Eine Obduktion habe ergeben, dass das Mädchen an Verletzungen durch „scharfe Gewalteinwirkung im Halsbereich“ gestorben sei. Bei dem Jungen hätten multiple innere Verletzungen zum Tod geführt, die auf einen Sturz aus großer Höhe zurückzuführen seien. Die Gründe für den Sturz seien Teil der Ermittlungen, „die wegen des Verdachts des Mordes geführt werden“, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler gehen von einem mutmaßlichen familiären Hintergrund der Tat aus. Die Geschwister lebten in der Wohnung, in der das Verbrechen geschah. Schon Monate vor der Tat lagen dem Hanauer Jugendamt Hinweise auf familiäre Probleme vor, wie die Stadt mitteilte.

Stadt: Familie hatte Probleme und war dem Jugendamt bekannt

Demnach war die Familie zum Jahreswechsel 2021/22 nach Hanau zugezogen. Mitte Januar seien die Probleme dem Jugendamt dann bekannt geworden. Sofort nach dieser Information sei das Jugendamt auf die Familie zugegangen und habe Angebote unterbreitet, darunter die sozialpädagogische Familienhilfe. Dabei habe es sich insbesondere um Unterstützung bei Behördengängen und im Familienalltag gehandelt. „Das Angebot wurde durch die Familie angenommen“, erklärte die Stadt.

Neben einem beauftragten Fachträger habe auch der Kommunale Soziale Dienst (KSD) in Kontakt mit allen Familienmitgliedern gestanden. „Bei diesen Kontakten waren keine Hinweise auf Gewalt erkennbar“, erklärte die Stadt. Anfang dieser Woche habe der KSD dann vom beauftragten Träger die Rückmeldung erhalten, „dass sich das familiäre Verhältnis wohl verschlechtert habe“. Im KSD sei deshalb entschieden worden, erneut das Gespräch zu suchen und einzugreifen.