Berlin - Ein kürzlich gestorbener Ersthelfer nach dem islamistischen Terroranschlag vor fünf Jahren in Berlin ist vom Senat als 13. Todesopfer eingestuft worden. „Im Senat war klar, (...) dass es sich um jemanden handelt, der als Opfer anzusehen ist“, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Dienstag nach einer Senatssitzung. Der Senat zeigte sich offen für den Vorschlag, den Namen des Mannes an der Gedenkstätte für die Opfer des Anschlags an der Gedächtniskirche zu ergänzen.

„Wir werden Kontakt mit den Angehörigen aufnehmen“, fügte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (ebenfalls SPD) hinzu. „Und wenn das der Wunsch der Angehörigen ist, werden wird selbstverständlich schauen, dass wir auch an den Stufen, wo der anderen Opfer gedacht wird, die entsprechende Gestaltung anpassen.“

Am Montag war bekanntgeworden, dass der 49-jährige Ersthelfer, Sascha Hüsges, am 5. Oktober gestorben war. Nach Angaben seines Ehemannes starb er an einer Infektionskrankheit infolge der Langzeiterkrankung und wurde an seinem Wohnort in Troisdorf bei Bonn beigesetzt.

„Wir trauern um einen Menschen, der in der Not Hilfe leisten wollte, und der dabei schwer verletzt wurde“, so Müller. Hüsges war direkt nach dem Anschlag am 19. Dezember 2016 Besuchern des Weihnachtsmarktes auf dem Breitscheidplatz zu Hilfe geeilt. Dabei wurde er mutmaßlich von einem Balken am Kopf getroffen und schwer verletzt. Seither musste er rund um die Uhr betreut werden.

Name soll „schnell und unbürokratisch“ ergänzt werden

Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Kai Wegner erklärte am Dienstag, die Nachricht vom Tod des Helfers sei bedrückend. Die CDU unterstütze die Forderung, seinen Namen auf den Stufen der Gedenkstätte an der Gedächtniskirche aufzuführen. „Wir erwarten, dass der Senat dies schnell und unbürokratisch umsetzt.“ Der Grünen-Innenpolitiker Benedikt Lux teilte mit: „Wir werden seiner würdig gedenken und den Kampf gegen Terrorismus und für mehr Schutz unserer offenen Gesellschaft fortführen.“

Astrid Passin, die im Namen mancher Opfer und Hinterbliebenen spricht, hatte in einem Brief an den Senat und die Abgeordneten gefordert, den Namen des Helfers auf den Stufen der Gedenkstelle den Namen der anderen Todesopfer hinzuzufügen. Sie wolle eine „unbürokratische Umsetzung bis zum 5. Jahrestag am 19. Dezember“.

Der tunesische Islamist Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 in Berlin einen Lastwagenfahrer erschossen und war mit dessen LKW über den Weihnachtsmarkt gefahren, wo er elf Menschen tötete. Der abgelehnte Asylbewerber war den Behörden schon vorher als islamistischer Gefährder aufgefallen. Nach dem Attentat floh er nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde.