Der Buchsbaumzünsler ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch und vernichtet Buchsbäume in Gärten, Parks und Schlossanlagen. 
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BerlinEin aus Ostasien stammender Kleinschmetterling vernichtet großflächig Buchsbäume in Deutschland. Denn die Larven des Buchsbaumzünslers fressen auch große Flächen mit Buchsbaum mitunter komplett kahl. Nach Angaben des BUND sind nicht nur Gartenbesitzer, sondern auch ganze Parkanlagen und Schlossgärten betroffen. Hier spielte und spielt der Buchsbaum bei der Gestaltung der Anlagen seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle. Der Kampf gegen die Raupen ist auch nach Einschätzung der Experten des BUND „schwierig bis aussichtslos“.

Denn die Larven des Zünslers müssen immer wieder aufs Neue bekämpft werden. Je nach Witterungslage schlüpfen die gefräßigen Raupen bis zu viermal pro Jahr. Ist der Buchsbaum überhaupt noch zu retten? 

Für die Pflanzen bedeutet der Befall mit dem Buchsbaumzünsler zwar nicht zwingend das Todesurteil. Die Raupen des Zünslers machen sich zwar über den kompletten Busch her, ein kompletter Kahlfraß ist dabei keine Seltenheit. Doch die normalerweise immergrünen Buchsbäume sind extrem robust, erholen sich zumeist und treiben dann neu aus. Was raten Profis?

Die Empfehlung von Oliver Fink vom Verband der Gartenbaumschulen in Haan (Nordrhein-Westfalen) ist nach Angaben der dpa radikal: „Entfernen, und zwar relativ schnell und klar“. Damit ist der Buchsbaum und nicht der Schädling gemeint. So rät Fink auch nicht mehr zum Kauf neuer Pflanzen.

Allerdings ist der Befall nicht in ganz Deutschland gleichermaßen verbreitet. Der Zünsler arbeitet sich seit Jahren langsam von Süd- nach Norddeutschland vor. Es kann also sein, dass in manchen Regionen das Problem gerade erst auftritt. Das ist im Umfeld von Gisela Rose-Zell von der Deutschen Buchsbaumgesellschaft in Verden (Niedersachsen) gerade der Fall. Sie setzt auf eine Eindämmung der Zünsler, die im Frühjahr mit der ersten Generation im Jahr beginnt.

„Es gibt Strategien zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers, aber man ist damit von März bis in den Herbst permanent beschäftigt“, sagt Rose-Sell der dpa. Sie rät zu einer Kombination aus Maßnahmen, die sich laut den der Buchsbaumgesellschaft zugetragenen Erfahrungsberichten als gut erwiesen hätten. Dieses Paket beginnt mit einer Überwachung der Gehölze von Frühjahr an, wenn die Temperaturen wieder ansteigen.

Das Problem: Die grünen, knapp fünf Zentimeter langen Raupen beginnen den Fraß im Inneren der Pflanzen. Oft ist es daher schon zu spät, wenn man den Befall zu einem späteren Zeitpunkt auch außen entdeckt.

Da man die winzigen Eier des Zünslers an der Unterseite auch der äußeren Blätter zudem nur schwer findet, empfiehlt Rose-Sell zudem, Pheromonfallen aufzustellen. Diese locken mit weiblichen Duftstoffen die männlichen Falter an, was zwar einen künftigen Befall nur minimal verhindern kann. Aber die Fallen und ihr Inhalt sind ein guter Hinweisgeber für Hobbygärtner, dass sie bald tätig werden müssen.

„Etwa zehn Tage nach so einem Falterflug sollte man einen Formschnitt an den Buchsbäumen machen“, rät Rose-Sell. Damit entferne man die Eier an den äußeren Blättern. Anschließend helfe zum Beispiel Gesteinsmehl, das über die Blätter gestreut wird. „Junge Larven ruinieren sich daran die Zähne, und es entwickeln sich relativ wenig Raupen weiter“, so Rose-Sell weiter. Sie verweist auf Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Studie zu der Thematik. 

Den verbliebenen Rest an Raupen könne man dann „mit Mitteln auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis“ bekämpfen. Dieses sei umweltschonend und bienenverträglich. Es wirkt nach Angaben von Oliver Fink vom Verband der Gartenbaumschulen allerdings nur „im sehr jungen Larvenstadium, wenn die Tiere noch eine dünne Haut haben“.

Mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit kommt es trotz aller Maßnahmen zum großen Befall mit dem Buchsbaumzünsler. Dann müssen die Larven abgesammelt und vernichtet werden. Um diese aus dem Inneren der Buchsbäume zu holen, eignen sich nach Angaben von Experten Hochdruckreiniger und Industriesauger. Wer nach einem Schnitt das Grün noch kompostieren will, sollte die Eier und Larven zudem mit heißem Wasser abtöten. Ansonsten sollte man sie in dicht verschlossenen Tüten in den Restmüll geben.

„Das Wichtigste aber ist: Die Bekämpfung ist nicht nur eine Privatsache, sondern die ganze Nachbarschaft muss sich zusammenschließen“, betont Rose-Sell. „Sobald ein Garten nicht mitmacht, bleibt der Zünsler erhalten und breitet sich weiter aus.“

Aus Berliner Gärten wurde zuletzt eine interessante Beobachtung gemeldet: So haben nicht nur Spatzen, Meisen und andere Vogelarten den Buchsbaumzünsler als willkommenes Nahrungsangebot vor allem bei der Aufzucht des eigenen Nachwuchses entdeckt. Auch Wespen attackieren, töten und fressen die gefräßigen Larven des Kleinschmetterlings. Möglicherweise kann die Natur das Problem mit dem invasiven Insekt aus Ostasien also auf ganz natürliche Weise lösen.